Wednesday, June 17, 2026

1988

 Nun machte ich einen Kurs bei der Johanniter Unfallhilfe zur Schwesternhelferin, einfach weil mir nichts Besseres einfiel. Der fand in den Pfarrgebäuden des Bremer Doms statt.  Nach der Theorie – das Einzige was mir davon noch im Kopf geblieben ist: Dikubitusprophylaxe-  gab es ein dreiwöchiges Praktikum, das ich auf einer Privatstation im Rote-Kreuz Krankenhaus absolvieren musste.    Dort durfte ich vor allem Essen austeilen, Betten machen, schlaffe Penise in Urinflaschen legen, alten Omis nach der OP beim Pupsen im Bett helfen, Schwache füttern, Kotze aufwischen, Patienten zu einer Untersuchung in den Keller schieben (liebste Tätigkeit- ist klar!) und ab und an auch mal Blutdruckmessen, wobei ich dabei am meisten Schiss hatte, etwas falsch zu machen. Ich sah alte Opis mit von Diabetis-schwarz-zerfressenen Beinen, schwerst -Rheumapatienten, die nichts mehr bei sich halten konnten, und musste einmal einem alten Knacker, der unbedingt selber aufs Klo gehen wollte, hinterher die Scheiße aus den Fingernägeln kratzen. Aber das ist gar nichts gegen das Leid der armen Menschen mit all diesen wirklich fiesen Krankheiten. Besonders der Geruch auf Station hat mich jedes Mal ziemlich angewidert, dazu das Mitleid für die Patienten: also Krankenschwester wollte ich danach nicht werden.

FilmTipp- TV SerieDas Krankenhaus am Rande der Stadt", Tscheslowakei“ (1980)

Bürohilfe beim Bremer Sportamt    Diese Vollzeitstelle bekam ich vom Sozialamt vermittelt. Das Sportamt lag damals neben dem Weserstadion; es war zuständig für alle Vereinsanlagen, Sporthallen, Bolzplätze usw. einschließlich natürlich dem großen Stadion.  Ich musste in einem alten Barackenbau Mitgliedskarteikarten ab 1946 durchwühlen bzw. aussortieren. Oder im Büro Dateilisten erstellen und überprüfen. Die Kollegen waren super. Freitag Morgen gab es meistens Sektfrühstück ! Ja, das waren noch Zeiten. Leider habe ich nach acht Monaten eine Art Nervenzusammenbruch erlitten, weil ich es nicht wirklich mehr schaffte, morgens um 7 Uhr als erste Mutter, meine armen Kleinen bei den Putzfrauen im Kindergarten abzuliefern (Erzieherinnen kamen erst um 8), sie um 17 Uhr als Letzte dort wieder abzuholen, es vor 18 Uhr schnell zum Einkaufen in die Läden zu schaffen, zuhause schnell Abendbrot zu machen, baden, husch-husch ins Bett, und morgens wieder die selbe Hektik. Das war alles sehr trostlos für meine Jungs und zermürbend für mich. Ich ging heulend zu meinem Chef und jammerte „Ich kann nicht mehr!“. Au weia.

Hier steh ich mit Kollegen bei einer Stadion Begehung dumm rum. Tja, das alte Werder Spielfeld war damals ne ganze Nummer kleiner.

Film mit einer working Single Mom: "Erin Brokovitch" (2000)

1 comment:

  1. Was du schon alles gemacht hast, meine Liebe, faszinierend! Wer bist du auf dem Bild?

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