1986 - zurück in Bremen, der Ehemann ist mir weg gelaufen.
An der Wirtschaftsakademie machte ich Vorbereitungskurse zur Prüfung in Englisch, das sogenannte Cambridge Certificate of Proficiency, das man ua. benötigt, um in England studieren zu können. Was ich damit vor hatte? Keinen blassen Schimmer, aber schaden konnte es ja nichts. Zwischenzeitlich wurden ein paar extra Kröten verdient mit Getränkeausschank an der Theke eines italienischen Restaurants (durch Vitamin B bekommen) in Lilienthal. Gar nicht so leicht `n schönes Bier zu zapfen...
1987 - Zur Scheidung musste ich für einige Monate in die USA zurück, und besorgte mir - wie soll es anders sein - einige Hiwi-Jobs: Stoppschildhalterin (traffic controller) an Baustellen. Ich war einer Baumschneide-Crew zugeteilt. Der Verkehr musste einspurig eingefädelt werden, also stand an jedem Ende der Baumarbeiten vor der Absperrung ein Arbeiter und hielt den ankommenden Autofahrern entweder das Schild „GO“ oder „STOP“ vor die Nase. Klingt banal, aber da musste man echt aufpassen und sich gut abstimmen. Ich hatte leider ein Schild mit nur einem halbem Stil erwischt, musste das olle Ding also immer in die Luft halten, ohne mich abzustützen. Am Ende des Projekts hat mir der schwarze Vorarbeiter väterlich seine Stihl-Arbeitshandschuhe geschenkt. Hat mich total gerührt. Der nächste Job : Potpourie-Eintüten. Da saßen wir zu acht oder so in einer großen Halle um einen riesigen Sack mit Duftblättern und schaufelten diese in kleine Zellophantütchen. Das war damals der neueste Verkaufsschlager. Diese Jobs liefen über eine Leiharbeitsfirma (temp agency), sie dauerten nie lange. Am schlimmsten war kurz darauf das Russputzen nach Feuerschäden für eine Versicherungsfirma. Das war so übel, dass ich nach 4 Stunden so tat als hätte ich furchtbare Ohrenschmerzen, nach Hause raste und nie wieder kam. Die temp agency Tante meinte hinterher, die hätten meine Arbeit über den Klee gelobt, weil ich so schnell gearbeitet hätte. Wer macht so eine Scheiße auch langsam? Alle Haushaltsartikel, die vom Feuer nicht direkt betroffen waren, mussten entrußt werden. Schuhe, Spielzeug, Geschirr, Schmuck, das Kleinste vom kleinsten Teil. Den Gestank hatte ich noch lange in der Nase.... Nachdem die Scheidung durch war, kehrte ich mit den Jungs nach Bremen zurück. Ein Leben ohne Krankenversicherung mit Minijobs und miesem Stundenlohn konnte ich ihnen nicht zumuten. Mir auch nicht.
Serie zum Thema "Die härtesten Jobs der Welt" (2016) :-)

No comments:
Post a Comment