Monday, June 29, 2026

1997

Büroassistentin im US ARMY Hospital in Heidelberg

Ehemann2 hat seine Stelle als Chemical Engineer von einem auf den anderen Tag verloren. Mit Arbeiterschutz ist es nicht weit her in Amiland. War ein echter Schock. Durch Bekannte fand er eine Stelle im öffentlichen Dienst, allerdings back in Germany. für die amerik. Streitkräfte. LIFE!  So landeten wir in Heidelberg. Dort fand ich dann meinen ersten anständigen Bürojob. Beim Einstellungsgespräch in der amerikanischen Kaserne zur „Office Assistant“, ebenfalls in der Abteilung „Facility Management“ ( = Gebäudeinstandhaltung; diese neumodischen Begriffe kamen mit der Globalisierung damals auf), fragte mich der deutsche Chef nicht, wie das heute idiotischer Weise üblich ist „Was sind denn Ihre Gehaltsvorstellungen?“, sondern schob mir am Ende unserer recht lockeren Unterhaltung einen kleinen Zettel hin, auf dem stand „13,50 DM“. WOW, ich war happy. Was mußte ich dort machen? Natürlich fliessend Englisch sprechen, damit man die Anrufe von Reparaturanfragen aus den verschiedenen Krankenhausbereichen entgegennehmen konnte.  Manche machten sich über facility management lustig von wegen ist doch nur Hausmeisterkram, aber in einem Krankenhaus , tja, wenn zB. bei einer OP das Licht ausgeht, kommt das nicht so gut. Heizung kalt, Klimaanlage oder Toilettenspülung kaputt, im Krankenhaus noch unguter als zuhause. Es war immer was los in diesem alten Vorkriegskasten (siehe Foto). Ich benachrichtigte die entsprechenden Handwerker, die für Wartung etc zuständig waren. Wenn sie nach Auftragsausführung zurückkamen, gab ich die Notizen ihrer Stundenzettel und den Materialverbrauch in unsere Datenbank ein. Das war zumindest die Hauptaufgabe. Die Arbeit habe ich sehr gerne gemacht, der Chef war super, immer der Erste morgens und der Letzte abends, und die polnischen Handwerker waren echt gut drauf. Mit den Amis konnte man sowieso locker zusammen arbeiten, auch wenn's Soldaten waren. Nebenbei fing ich an, online Uni-Kurse zu belegen, um meinen Bachelor-Abschluss zu bekommen. Zwei Schulkinder und 'n Haushalt, war schon ganz schön viel, aber in der Umgebung eine schöne Zeit. An einen Satz vom Chef erinnere ich mich bis heute :" Willste was Gutes, oder willste was Amerikanisches?" wobei er schallend lachte.

Absurder Film "The Hospital" (1971) mit George C. Scott


Tuesday, June 23, 2026

1994-96

 

1994 Amerika,  zweiter Versuch

Mittlerweile bin ich mit Ami-Ehemann Nr.2 verheiratet, Studium abgebrochen, back to the USA...

Diesmal hatte ich mich an der University of Pittsburgh eingeschrieben. Links sieht man  in der Mitte der Postkarte die "Cathedral of Learning", man, ein toller Campus war das! Und wieder hab ich ehrenamtlich neue Sachen ausprobiert.  1995   zB einen Kursus in der Laubach Literacy Methode zum Unterrichten von Nicht-Lesern (Analphabeten) belegt. Das war eine spannende Sache, hab ich super gern gemacht, diesen armen Erwachsenen noch mal das Lesen beizubringen. Denn wer in den USA zur Schule geht, lernt tatsächlich nicht unbedingt das Lesen. Meine erste Schülerin war eine junge Schwarze, später kam noch Jeanette dazu, eine ältere, weiße Frau, mit der ich mich auch nett anfreundete. 

Ehekrise mit Mann Nr. 2: für 6 Monate in die Heimat Bremen...

Kellnerin im Brill Café (das war Ecke Schlachte/ Bürgermeister-Schmidt Allee, jetzt Bar Celona) : dort hatte meine ehemalige Vorarbeiterin von Hachez mit ihrem Mann das Café übernommen, als ich sie zufällig auf der Straße traf und sie mich fragte, ob ich nicht für sie arbeiten wolle.  Klaro, why not?  Wo ist meine Schürze? Da der Mann, ein ehemaliger Kaffeeröster bei Eduscho, hinterm Tresen den Ausschank machte, aber derart langsam arbeitete - der Typ wollte als Selbstständiger nun partout keinen Stress - fingen alle Gäste an, sich bei uns zu beschweren. Seine Frau arbeitete auch im Service, rollte zwar viel mit den Augen, konnte ihren gechillten Mann aber nicht zum schnelleren Getränkeausschenken bewegen. Da hab ich sie gebeten, mich in der Küche zum Spülen einzuteilen. Stänkernde Kunden, nee, das konnte ich nicht. Und mit dem Tablett war ich wahrscheinlich auch nicht die Geschickteste. Abwaschen im Hintergrund, no problemo.

Filmtipp : Otto Walkes in der Küche https://www.youtube.com/watch?v=VYB7fH4UO4M

1996 - Ehe gerettet; zurück in Pennsylvania. Diesmal haben wir unser 1.Haus gekauft und ich mache wieder Karriere als Hilfsarbeiterin :

Lampenfüße zusammenbauen; dabei war ich die hochgelobt Beste, was in Amiland nicht schwer ist. Deutsche Arbeitsweise hat nun mal einen guten Ruf, und den gilt es zu erhalten. Die Kolleginnen waren hauptsächlich redneck ladies, eher Gattung Schnecke, die sich über alles Mögliche das Maul zerrissen, derweil Betty hard at work, aber nach einer Woche rumschrauben an Stehtischen war mir das echt zu öde…. 

Bei SONY Flachbildschirmfernseher einpacken: heiliger Strohsack, war das ne Maloche. Ich hab dort zum ersten Mal Flachbildschirme gesehen, sie waren riesig. Seit 1990 liess Sony dort TVs bauen, vorher war das ein VW Werk, wo rabbits, also Golfs zusammengeschraubt wurden. Ich mußte diese Riesenteile in Folie wickeln und in noch riesigere Pappkartons stopfen, dann zum nächsten Posten schieben.  In den Fluren hingen immer Zielstatistiken von der Decke, wieviel diese Woche geschafft werden soll, und wie wenig Arbeitsunfälle es in der Woche gegeben hat und so´n Zeugs. Überall liefen Japaner rum, die waren natürlich Management.  Ich hab- wie immer- nicht lange ausgehalten, körperlich war es ne Nummer zu schwer für mich. Kurz darauf lernte ich in einem internationalen Frauenclub die japanischen Ehefrauen kennen, die sehr interessiert an allem Amerikanischen waren. Malochen mussten die natürlich nicht.

<< Solche Mordsdinger waren das: 53 inches = 137 cm breiter Bildschirm

Monday, June 22, 2026

1993

 

An der Bremer Uni war ich nun stolze Studentin, aber komplett planlos, alles in Eigenregie zu regeln. Geisteswissenschaften kommt nun mal von Geist anstrengen. Naja,  ich lernte  zukünftigen Ehemann Nr. 2 kennen, auch ein Ami, und als der plötzlich nach California versetzt wurde und wir ihn dort besuchen wollten, musste neben dem Studium auch noch n büschen malocht werden. Also Herbst'92 ab an die Kasse der Bahnhofsbuchhandlung in Nachtschicht.

Au weia, was man da alles für Charaktere getroffen hat. Von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens saß ich mir dort den Hintern platt, während meine Jungs alleine zuhause schliefen. Darf man heute gar nicht mehr dran denken. Puuuh...... Am meisten war so ab 4 Uhr los, wenn die ersten armen Schweine aus ihrer Nachtschicht torkelten, exotische Tänzerinnen aus den umliegenden Bars nach Hause wollten, die anderen Malocher ihre Frühschicht begannen, und sie alle erstmal eine BILD Zeitung brauchten („60 Pfennig, bitte“). Nachts trieben sich auch ein paar Schwule am Bahnhof herum, die "Unanständiges" auf den Gleisen trieben, so wurde mir jedenfalls von einem Nachtschwärmer selbst erzählt. Damals gab es ja noch keinen Durchgang zur Stadthalle, da brauchte man vielleicht nur ein altes Zugabteil finden.... Mohammed, der Bahnhofsputzer, kam auch regelmässig in den Buchladen, und wollte noch ´n  bischen schnacken, bevor er die Müllkörbe entleeren mußte, und dann kam auch schon der Zeitungslieferant. Dann mußte ruck-zuck ausgepackt werden. Für Zeitschriften hatte man schliesslich  die ganze Nacht Zeit gehabt. Ich weiß noch, dass ich im Oktober zur Zeitumstellung Dienst hatte. Um 3 Uhr wurde die Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt und ich durfte die Stunde noch mal durchwachen. Nee oh nee.  Alle haben damals den Chef beschissen und sich aus der Kasse bedient, weil der ein alter Busengrabscher gewesen sein sollte. Nachts ist er gottseidank nie in den Laden gekommen. ... Im Sommer '93 ging es dann 6 Wochen an die Westküste. Urlaub Juhu.

Filme zum Thema: "Nightshift" (1982), herrliche Komödie mit Herny Winkler/ "Clerks: Die Ladenhüter" (1994)

Saturday, June 20, 2026

1992

 

Gleich nach dem bestandenen Abi - mit 30! - ging es im Sommer erstmal ab in die Fabrik: Aushilfsjob als Packerin bei Hachez Chocolates in der Bremer Neustadt. 

Das waren drei Rücken-kaputtmachende Monate, aber damals noch zu Radiogedudel, mit anständigen Raucherpausen und toleranten Vorarbeiterinnen, die einen mit Namen kannten und auch mal Späßchen machten (20 Jahre später hab ich das noch mal ausprobiert und nach 6 Tagen schlapp gemacht... 2020 verließ Hachez Bremen nach fast 130 Jahren, nun müssen es die Frauen in Polen für weniger Geld tun).  Für die Weihnachtsschokolode mussten wir entweder Pralinen in die auf dem Fließband vorbeiziehenden Packungen legen, oder im Stehen an großen Tischen entsprechende Pappschachteln dafür falten. Ebenso gab es das Band zum Binden kleiner Plastiktannenzweige um Cellophantütchen. Schokolade durfte man futtern so viel man wollte, denn eins war klar: niemand konnte und wollte die Arbeiterinnen beim Naschen kontrollieren. Und zweitens war genauso klar: niemand hatte nach einer Woche Probieren noch den leisesten Appetit auf Schokolade. Klarer Fall von Sache: was man immer haben kann wird schnell öde.   Um die Zeit besser rumzukriegen, haben wir uns angestachelt, wer nach einer Stunde am meisten geschafft hat. Sonst wäre die Arbeit einfach zu stupide gewesen. Unsere Vorarbeiterinnen fanden das wunderbar, je mehr Stückzahl wir schafften, desto zufriedener die oberen Etagen. Das waren natürlich ausschließlich Herren der Schöpfung in weißen Kitteln.  Es gab am Band übrigens auch festangestellte Damen, die sich meist ziemlich wichtig vorkamen (in der Umkleide und in der Kantine); sie waren aber von uns getrennt. Ihre Stückzahlen waren bestimmt besser als unsere. Ich hab damals erst nicht begriffen, wieso diesen Käse nur Frauen machen. Angeblich ihrer Fingerfertigkeit wegen. Ha, wer's glaubt. Männer arbeiten wohl eher nicht gern für wenig Kohle... Oh well,  im Herbst begann dann endlich an der Bremer Uni mein Studium der Amerikanistik.

Filmtipp  - : „Ein Offizier und Gentleman“ – erinnert ihr euch an Paula? So wollen wir doch alle aus der Fabrikhalle getragen werden, oder? Wenn möglich natürlich von Richard Gere.

Friday, June 19, 2026

1989/90

 

Herbst 1989 : Mit fast 27 entschloss ich mich, mein Abitur nachzuholen, um studieren zu können. In Bremen hatte ein Jahr zuvor das Kolleg der Erwachsenenschule eröffnet, an dem Arbeitslose nun  - statt Abendgymnasium - tagsüber ihren Abschluss nachholen konnten. Das waren drei herrliche Schuljahre, in dem Lernen endlich Spaß machte. Und von meiner Neustädter Wohnung war es ein Katzensprung .  Ich musste noch einmal Französisch belegen, konnte in der 12. und 13.Klasse Englisch und Deutsch als Hauptfach wählen. Mathematik war ne echte Herausforderung, aber diesmal hatte ich mir vorgenommen, nicht gleich dicht zu machen. Wir bekamen einen wunderbaren Lehrer, der uns auch Physik beibrachte (Werner , hier links in Aktion) , und mit dem wir auch wandern waren. Allerdings war er etwas cholerisch. Wenn wir uns keine Mühe gaben, oha, das nahm er echt persönlich, da wurde sein Gesicht schlaganfallrot. Unsere Deutschlehrerin war auch nicht gerade begeistert, weil Erwachsene nun mal keine kleinen Kinder mehr sind. Sie betitelte uns einmal mit "Meinungsstark und wissensschwach". Da mochte was dran sein. HAHAHAH.  Auf jeden Fall waren wir eine tolle Truppe, hatten viel Spass und es entstanden lange Freundschaften aus der Zeit. Die Kinder waren mittlerweile in der Schule bzw im Hort, so dass alles seinen sozialistischen Gang ging. Um das Bafög, was ich in der Zeit bekam, aufzubessern, musste ich allerdings zusätzlich noch etwas malochen.

Einige der "Nebentätigkeiten" waren:

- früh morgens in der City Büros putzen: bischen Staubsaugen , Papierkörbe ausleeren, aber leider auch ab und an total verkackte Klos reinigen. Der Mensch ist eine Sau.

- an Wochenenden als Garderobenfrau in einer Bremer Kellerdisco die Nacht durchmachen ( Dauerspruch „bitte das Ticket nicht verlieren!!!!!“). Vorteil: Am Schluss noch selber abtanzen.

-Seniorenbesuche in der Hauspflege (was damals gerade erst anfing): einkaufen, abwaschen, Staubsaugen, meist bei etwas meckrigen, ollen Tanten

Wednesday, June 17, 2026

1988

 Nun machte ich einen Kurs bei der Johanniter Unfallhilfe zur Schwesternhelferin, einfach weil mir nichts Besseres einfiel. Der fand in den Pfarrgebäuden des Bremer Doms statt.  Nach der Theorie – das Einzige was mir davon noch im Kopf geblieben ist: Dikubitusprophylaxe-  gab es ein dreiwöchiges Praktikum, das ich auf einer Privatstation im Rote-Kreuz Krankenhaus absolvieren musste.    Dort durfte ich vor allem Essen austeilen, Betten machen, schlaffe Penise in Urinflaschen legen, alten Omis nach der OP beim Pupsen im Bett helfen, Schwache füttern, Kotze aufwischen, Patienten zu einer Untersuchung in den Keller schieben (liebste Tätigkeit- ist klar!) und ab und an auch mal Blutdruckmessen, wobei ich dabei am meisten Schiss hatte, etwas falsch zu machen. Ich sah alte Opis mit von Diabetis-schwarz-zerfressenen Beinen, schwerst -Rheumapatienten, die nichts mehr bei sich halten konnten, und musste einmal einem alten Knacker, der unbedingt selber aufs Klo gehen wollte, hinterher die Scheiße aus den Fingernägeln kratzen. Aber das ist gar nichts gegen das Leid der armen Menschen mit all diesen wirklich fiesen Krankheiten. Besonders der Geruch auf Station hat mich jedes Mal ziemlich angewidert, dazu das Mitleid für die Patienten: also Krankenschwester wollte ich danach nicht werden.

FilmTipp- TV SerieDas Krankenhaus am Rande der Stadt", Tscheslowakei“ (1980)

Bürohilfe beim Bremer Sportamt    Diese Vollzeitstelle bekam ich vom Sozialamt vermittelt. Das Sportamt lag damals neben dem Weserstadion; es war zuständig für alle Vereinsanlagen, Sporthallen, Bolzplätze usw. einschließlich natürlich dem großen Stadion.  Ich musste in einem alten Barackenbau Mitgliedskarteikarten ab 1946 durchwühlen bzw. aussortieren. Oder im Büro Dateilisten erstellen und überprüfen. Die Kollegen waren super. Freitag Morgen gab es meistens Sektfrühstück ! Ja, das waren noch Zeiten. Leider habe ich nach acht Monaten eine Art Nervenzusammenbruch erlitten, weil ich es nicht wirklich mehr schaffte, morgens um 7 Uhr als erste Mutter, meine armen Kleinen bei den Putzfrauen im Kindergarten abzuliefern (Erzieherinnen kamen erst um 8), sie um 17 Uhr als Letzte dort wieder abzuholen, es vor 18 Uhr schnell zum Einkaufen in die Läden zu schaffen, zuhause schnell Abendbrot zu machen, baden, husch-husch ins Bett, und morgens wieder die selbe Hektik. Das war alles sehr trostlos für meine Jungs und zermürbend für mich. Ich ging heulend zu meinem Chef und jammerte „Ich kann nicht mehr!“. Au weia.

Hier steh ich mit Kollegen bei einer Stadion Begehung dumm rum. Tja, das alte Werder Spielfeld war damals ne ganze Nummer kleiner.

Film mit einer working Single Mom: "Erin Brokovitch" (2000)

Monday, June 15, 2026

1986/7

 

1986 - zurück in Bremen, der Ehemann ist mir weg gelaufen.

An der Wirtschaftsakademie machte ich Vorbereitungskurse zur Prüfung in Englisch, das sogenannte Cambridge Certificate of Proficiency, das man ua. benötigt, um in England studieren zu können. Was ich damit vor hatte? Keinen blassen Schimmer, aber schaden konnte es ja nichts.    Zwischenzeitlich wurden ein paar extra Kröten verdient mit Getränkeausschank an der Theke eines italienischen Restaurants (durch Vitamin B bekommen) in Lilienthal. Gar nicht so leicht `n schönes Bier zu zapfen...

1987 - Zur Scheidung musste ich für einige Monate in die USA zurück, und besorgte mir - wie soll es anders sein - einige Hiwi-Jobs:    Stoppschildhalterin (traffic controller) an Baustellen. Ich war einer Baumschneide-Crew zugeteilt. Der Verkehr musste einspurig eingefädelt werden, also stand an jedem Ende der Baumarbeiten vor der Absperrung ein Arbeiter und hielt den ankommenden Autofahrern entweder das Schild „GO“ oder „STOP“ vor die Nase. Klingt banal, aber da musste man echt aufpassen und sich gut abstimmen. Ich hatte leider ein Schild mit nur einem halbem Stil erwischt, musste das olle Ding also immer in die Luft halten, ohne mich abzustützen. Am Ende des Projekts hat mir der schwarze Vorarbeiter väterlich seine Stihl-Arbeitshandschuhe geschenkt. Hat mich total gerührt.    Der nächste Job : Potpourie-Eintüten. Da saßen wir zu acht oder so in einer großen Halle um einen riesigen Sack mit Duftblättern und schaufelten diese in kleine Zellophantütchen. Das war damals der neueste Verkaufsschlager. Diese Jobs liefen über eine Leiharbeitsfirma (temp agency), sie dauerten nie lange.                  Am schlimmsten war kurz darauf das Russputzen nach Feuerschäden für eine Versicherungsfirma. Das war so übel, dass ich nach 4 Stunden so tat als hätte ich furchtbare Ohrenschmerzen, nach Hause raste und nie wieder kam. Die temp agency Tante meinte hinterher, die hätten meine Arbeit über den Klee gelobt, weil ich so schnell gearbeitet hätte. Wer macht so eine Scheiße auch langsam? Alle Haushaltsartikel, die vom Feuer nicht direkt betroffen waren, mussten entrußt werden. Schuhe, Spielzeug, Geschirr, Schmuck, das Kleinste vom kleinsten Teil. Den Gestank hatte ich noch lange in der Nase....            Nachdem die Scheidung durch war, kehrte ich mit den Jungs nach Bremen zurück. Ein Leben ohne Krankenversicherung mit Minijobs und miesem Stundenlohn konnte ich ihnen nicht zumuten. Mir auch nicht.

Serie zum Thema "Die härtesten Jobs der Welt" (2016) :-) 

Sunday, June 14, 2026

1982 bis 1985

 

Fortpflanzen will gelernt sein....

In Dänemark hab ich meinen amerikanischen Soldaten geheiratet und im Sommer 1982  kam Sohn Nr.1 zur Welt, noch in Bremen. Beginn der Mutter aller Jobs. Wir wanderten an die Westküste der USA aus. Im September 1984 erblickte Sohn Nr. 2 das Licht der Welt. 

In den USA machte ich nicht nur schnell meinen Führerschein (20 $) sondern spaßeshalber den High School Abschluss-Ersatztest, um ab und zu ein paar Collegekurse zu belegen, damit es mit meiner Bildung irgendwie weiterging. Außerdem hab ich mich zum ersten Mal ehrenamtlich betätigt. Auf dem US Kasernengelände, einer Art Miniaturstadt, gab es nämlich einen Kindergarten, in dem man sogar Babies nur für ein paar Stunden abgeben konnte. So konnten die Mamis mal zum Arzt, in Ruhe einkaufen, oder eben Ehrenamtsarbeit betreiben. Zum Beispiel bei einer Hilfsorganisation für Armeeangehörige, denn auch Soldatenfamilien können in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wenn die Männer zum Beispiel für drei Wochen ins Manöver mussten, ihr Gehaltsscheck nicht rechtzeitig mit der Post eintrudelte (damals gab es noch Checks in the Mail, so wurden auch Rechnungen bezahlt), hatten die Frauen zuhause echte Probleme. Für Schulden- oder Familienprobleme gab es Mitarbeiter, oder man konnte sich Lebensmittel oder Kleidung aussuchen. Ich war dort an der Rezeption, hab die Betroffenen zu den entsprechenden Beratern geschickt. Easy peazy. Wenn der Mann abends zuhause war, drückte ich 2x die Woche die Schulbank.

Buch zum Thema "The Joy Luck Club (1993) von Amy Tan. 4 Chinesische Frauen wandern in die USA aus.

Thursday, June 11, 2026

1981

Bürohelferin

Kurz vor dem Job bei der Auskunft - oder doch danach? - war ich ein paar Wochen in einem Büro der Firma B. angestellt. Ich wohnte damals noch bei Muttern in Lilienthal bei Bremen, genau auf der anderen Seite der Stadt. Ich hatte Glück, ein Kollege, der Nähe wohnte, nahm mich morgens mit. Ein Jugoslawe, der als Technischer Zeichner dort arbeitete. Sein Deutsch war auch nach zwanzig Jahren im Land echt schwer zu verstehen; ich versuchte so gut es ging, seinen Erzählungen während der langen Autofahrt zu folgen.  Das war Arbeit vor der Arbeit.     Bis heute bin ich nicht sicher, was genau diese Firma eigentlich machte und vor allem, wozu ich dort angestellt war. Es konnte mir damals auch niemand so genau erklären. Ich weiß nur, dass ich dauernd den Locher brauchte, um Unterlagen in Leitz Ordnern abzuheften, dass alles etwas mit Versicherungen zu tun hatte (aber was machte ein Architekturbüro dort?), und dass sich die vier Kollegen im Großraumbüro auch nach 8-jähriger Zusammenarbeit noch Siezten. Das hat mich total irritiert. Achja, und Kaffee kochen musste ich dauernd. Das ganze muss Ende 1981, Anfang '82 gewesen sein, denn im Personalbüro musste ich eines Tages meinen Nachnamen ändern lassen. Ich hatte geheiratet. Baby Nr.1 war unterwegs.  Ein paar einkommenslose Jahre verbringe ich, dear Readers!

FilmTippWarum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?“, Originaltitel „9 to 5“, USA, 1980. Komödie über das Leben im Büro, mit Jane Fonda und Dolly Parton.


Wednesday, June 10, 2026

1981

 Auskunftsfräulein bei der Deutschen Post 

Als nächstes ging es zum Fernmeldeamt in die Telefonauskunft der Deutschen Post.  Ich war bei der Inlandsauskunft, Rufnummer 118.  Zwanzig bis dreißig junge Frauen saßen in 4er Reihen mit Kopfhörern in einem großen, hellen Saal, vor uns ein riesiger Bildschirm: das Lesegerät für Microfichekarten.  Tja in Zeiten vor Google alles Handarbeit. Wenn ein Kunde = „Teilnehmer“ anrief, leuchtete ein Lämpchen, wir drückten auf eine Taste und waren verbunden. Natürlich sollte zügig geantwortet werden, damit es keine lange Warteschleifen gab, aber es war kein großer Druck im Nacken, jedenfalls nicht wie in den heutigen Call Centern, wo alles mitgehört, nachgezählt und kontrolliert wird.  Neben dem Bildschirm war ein Kasten für die Microfichekarten mit Daten aus ganz Deutschland in den Tisch eingelassen. Telefonbücher in Miniaturformat. Logischerweise suchte man darauf erst den Ort und dann den gewünschten Teilnehmer `raus. Die Anrufer mussten etwas Geduld haben, denn es geschah ja manuell. Alte Oma ist schliesslich kein D-Zug :-)  Während gesucht wurde machten wir natürlich ein wenig small talk mit den Kunden. Dabei wurde auch geflirtet, wenn man sich stimmen-mäßig attraktiv fand. Manche Kolleginnen haben das vielleicht etwas übertrieben, dann kam die „Aufsicht“ schon mal rum, und mahnte, sich nicht zu verquatschten. Alles in allem trotzdem ein angenehmer, stressfreier Arbeitsplatz.  Es gab auch Nachtschichten: dort saßen wir zu viert, und hatten meistens einen lustigen Abend. Irgend Eine brachte Piccolos mit und, wenn ich mich recht erinnere, konnten wir sogar rauchen. Abwechselnd haute sich eine von uns für zwei Stündchen im Krankenzimmer auf die Liege. Morgens wankten wir trotzdem hundemüde aus dem Postgebäude. Für mich und meine Freundin war die Auskunft  eine Aushilfsarbeit, denn Ziel war es, für einen Trip nach Amerika zu sparen. Das war uns nach drei Monaten bei der Auskunft auch gelungen.  Eine andere Freundin blieb dabei, ihr bot man später eine Stellung in einer anderen Abteilung, damit die Beamtenlaufbahn, an. Sicherheit war ihr großes Ziel. „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“, wie meine Oma so schön zu sagen pflegte.  Die nächste Stelle wartet schon auf euch, dear Readers!

Film TIPP:  "Das ganze Leben liegt vor dir" (2008, Ital. Komödie ). Junge Frau im Call Center

 

Tuesday, June 9, 2026

1980

 

Fließbandarbeiterin bei KELLOG´S in Bremen

Nachdem ich das Gymnasium in der 11.Klasse abgebrochen hatte, und die Fachoberschule für Mode Design nichts für mich war (auch hier sollten wir vor allem in Mathe und Deutsch glänzen - öde) fing ich an, nach Stellenangeboten für Ungelernte zu schauen. Der Plan für 1 Jahr als Aupair nach Amerika, meinem Traumland, zu gehen kam nicht zustande.  Eine ältere Freundin hatte schon allerlei Joberfahrung und schickte mich zu Kellog’s ins Hafengebiet. Ich wohnte ja noch zuhause und dumm rumhängen kam nicht in Frage. Der Hit war Ende der 70er Jahre bei den neu-aufkommenden McDonald’s zu arbeiten, aber das erschien mir wesentlich zu stressig. Kundenkontakt? Oh nee, dann lieber in die Fabrik.  Dort wurden immer Aushilfskräfte am Band gesucht. Bei Kellog`s gab es damals in Cornflakestüten kleine Tierbilder, die musste unsere Damenriege - ein voller Karton damit auf dem Schoss - auf die am Band vorbeiziehenden Tüten legen. Wenn das Fließband einmal wegen einer Störung anhielt, - „Mechaniker!“ rief die Vorarbeiterin- hatte ich die optische Illusion, dass das Band in die andere Richtung weiterfuhr. Very strange!

Auf dem Weg zur Kantine ging es durch andere Abteilungen, dort schaufelten zB. die männlichen Kollegen riesige Zuckermengen in einen Ofen. Wir waren froh, harmlose Bandarbeit zu haben. Viele der Aushilfen waren Studenten, die unbedingt nach Pune, Indien wollten, um Guru Osho zu sehen.  Ich hatte damals noch keinen blassen Schimmer, wer das sein sollte, ganz zu Schweigen davon, dass ich selbst einmal in Indien landen würde. Oh man... Mein Interesse als Teenager galt ausschließlich allem, was mit Amerika zu tun hatte. Kellog´s country.     Ende 2017 war dort dann Schicht im Schacht.  Wie es bei mir weiter geht, lest ihr im next blog, dear Readers!

Film zum Thema Fabrikarbeit:Eine Frau steht ihren Mann: Norma Rae“ (1979) mit Sally Fields als Gewerkschaftsmitglied, das Stunk macht


Monday, June 8, 2026

1979

Meine erste Arbeit, für die es einen Stundenlohn gab, hatte ich mit 17 als Notenwenderin bei Radio Bremen (als ich den Begriff Notenwender google, lese ich, dass solche Leute auch gerne ´Blattlaus´ genannt werden, witzig). Ich nahm damals Klavierstunden, war also im Notenlesen geübt, wenn auch keine besonders talentierte Klavierschülerin.  Auf Anfrage vom Sender ging ich nach der Schule zu Klavierkonzerten in den großen Aufnahmesaal in der Vahr. Das bedeutete, dass ich neben einem (berühmten?) Klavierspieler saß eh... stand, und vorsichtig = leise im richtigen Moment seine Notenblätter wendete (es waren immer Männer). Puh, das waren angespannte Stunden. Ich musste natürlich so schnell „mitlesen“ wie der Musiker spielte, und genau den Zeitpunkt abpassen, an dem die Seite umgedreht werden sollte. Manchmal gab es dazu vom Maestro ein Kopfnicken, dann flux ohne Geräusche das Blatt wenden. Wenn es mal nicht perfekt klappte, tönte aus dem Aufnahmestudio eine genervte Lautsprecherstimme „Nochmal, bitte!“ Nicht zum Vergnügen des Pianisten, wie ihr euch denken könnt. Die besten Tage waren die, an denen die Musiker die Stücke auswendig spielen konnten, keine Blattlaus brauchten oder das Konzert ganz ausfiel. Geld gab es trotzdem.  Ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich an diesen Job kam. Ach, diese Erleichterung, wenn ich den Konzertsaal verließ.  Wie es weiter geht, lest ihr im  next blog, dear Readers!

Film zum Thema Das Mädchen, das die Seiten umblättert“, Thriller, Frankreich 2006 : siehe link trailer Bitte Umblättern.  Uriger Weise sah ich mit 16 auch n bischen so aus, wie diese Hauptfigur....

Friday, June 5, 2026

Karriere - wat isn ditte?

Ab und zu liest man von Menschen, die von Kindheit an wissen, was sie werden wollen. Obwohl ich als 8-Jährige auf meinem Schulweg davon träumte, als imposante Rednerin vor einem riesigen Publikum zu sprechen, begeistert beklatscht natürlich, fehlten mir irgendwie die nötigen Inhalte und einen Plan, dies in die Tat umzusetzen.  
Als Teenager beschränkte ich mich auf Ideen für Mädchenberufe, irgendwas mit Kindern oder Mode oder Sprachen. Karriere? Man ergreift halt irgendeinen Beruf, um die Miete zu zahlen, oder? Obwohl ich es immerhin auf’s Gymnasium schaffte und ein Bücherwurm war, gehörten Phantasien über ein interessantes Berufsleben nicht zu meinen Tagträumen. Ich schaute mir lieber amerikanische Spielfilme an, und dachte, alle Männer würden sich irgendwann schon in einen Robert Redford oder Terence Hill verwandeln mit dem ich dann glücklich werde, logo. „Hollywood-geschädigt“ nannte mich Jahre später eine Freundin.  Zum Berufsleben fiel mir nicht fiel ein.   Ziemlich cool fand ich allerdings als Teenie (der 70er Jahre) die Journalistin Margret Dünser, die in der Fernsehsendung „V.I.P.Schaukel“ berühmte Persönlichkeiten interviewte. Dass war mal was nach meinem Geschmack. Fotografin oder Buchdruckerin hätte mir auch gefallen.... später.  Naja, das Leben ist kein Wunschkonzert und leider auch nicht "Ferien auf dem Immenhof" , quelle demage!  Des weiteren verläuft das Leben eh immer anders als gedacht: mit 20 bekam ich das erste Kind, mit 22 das Zweite. Nix mit Beruf, also mit Geld verdienen, denn ohne Ausbildung in Dschland, Pustekuchen. Schulabbruch in der 11.Klasse war nicht wirklich ideal, dann bleiben halt nur Aushilfs- und Malocherjobs. Rückblickend dachte ich oft 'alles andere als Muttersein ist sowieso Pille-Palle, außer natürlich du wirst Gehirnchirurg oder so was wie Richter beim Supreme Court'.  Tja, nur dazu benötigt man allerdings äußerst viel Selbstdisziplin und Ehrgeiz, von beiden befindet sich nichts im meiner DNA.    Hier nun mein chronologischer Werdegang, wie wir Deutschen es nennen. Der Gang des Werdens einer "Angestellten".... in the next blog, dear Readers.