Thursday, June 11, 2026

1981

Bürohelferin

Kurz vor dem Job bei der Auskunft - oder doch danach? - war ich ein paar Wochen in einem Büro der Firma B. angestellt. Ich wohnte damals noch bei Muttern in Lilienthal bei Bremen, genau auf der anderen Seite der Stadt. Ich hatte Glück, ein Kollege, der Nähe wohnte, nahm mich morgens mit. Ein Jugoslawe, der als Technischer Zeichner dort arbeitete. Sein Deutsch war auch nach zwanzig Jahren im Land echt schwer zu verstehen; ich versuchte so gut es ging, seinen Erzählungen während der langen Autofahrt zu folgen.  Das war Arbeit vor der Arbeit.     Bis heute bin ich nicht sicher, was genau diese Firma eigentlich machte und vor allem, wozu ich dort angestellt war. Es konnte mir damals auch niemand so genau erklären. Ich weiß nur, dass ich dauernd den Locher brauchte, um Unterlagen in Leitz Ordnern abzuheften, dass alles etwas mit Versicherungen zu tun hatte (aber was machte ein Architekturbüro dort?), und dass sich die vier Kollegen im Großraumbüro auch nach 8-jähriger Zusammenarbeit noch Siezten. Das hat mich total irritiert. Achja, und Kaffee kochen musste ich dauernd. Das ganze muss Ende 1981, Anfang '82 gewesen sein, denn im Personalbüro musste ich eines Tages meinen Nachnamen ändern lassen. Ich hatte geheiratet. Baby Nr.1 war unterwegs.  Ein paar einkommenslose Jahre verbringe ich, dear Readers!

FilmTippWarum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?“, Originaltitel „9 to 5“, USA, 1980. Komödie über das Leben im Büro, mit Jane Fonda und Dolly Parton.


Wednesday, June 10, 2026

1981

 Auskunftsfräulein bei der Deutschen Post 

Als nächstes ging es zum Fernmeldeamt in die Telefonauskunft der Deutschen Post.  Ich war bei der Inlandsauskunft, Rufnummer 118.  Zwanzig bis dreißig junge Frauen saßen in 4er Reihen mit Kopfhörern in einem großen, hellen Saal, vor uns ein riesiger Bildschirm: das Lesegerät für Microfichekarten.  Tja in Zeiten vor Google alles Handarbeit. Wenn ein Kunde = „Teilnehmer“ anrief, leuchtete ein Lämpchen, wir drückten auf eine Taste und waren verbunden. Natürlich sollte zügig geantwortet werden, damit es keine lange Warteschleifen gab, aber es war kein großer Druck im Nacken, jedenfalls nicht wie in den heutigen Call Centern, wo alles mitgehört, nachgezählt und kontrolliert wird.  Neben dem Bildschirm war ein Kasten für die Microfichekarten mit Daten aus ganz Deutschland in den Tisch eingelassen. Telefonbücher in Miniaturformat. Logischerweise suchte man darauf erst den Ort und dann den gewünschten Teilnehmer `raus. Die Anrufer mussten etwas Geduld haben, denn es geschah ja manuell. Alte Oma ist schliesslich kein D-Zug :-)  Während gesucht wurde machten wir natürlich ein wenig small talk mit den Kunden. Dabei wurde auch geflirtet, wenn man sich stimmen-mäßig attraktiv fand. Manche Kolleginnen haben das vielleicht etwas übertrieben, dann kam die „Aufsicht“ schon mal rum, und mahnte, sich nicht zu verquatschten. Alles in allem trotzdem ein angenehmer, stressfreier Arbeitsplatz.  Es gab auch Nachtschichten: dort saßen wir zu viert, und hatten meistens einen lustigen Abend. Irgend Eine brachte Piccolos mit und, wenn ich mich recht erinnere, konnten wir sogar rauchen. Abwechselnd haute sich eine von uns für zwei Stündchen im Krankenzimmer auf die Liege. Morgens wankten wir trotzdem hundemüde aus dem Postgebäude. Für mich und meine Freundin war die Auskunft  eine Aushilfsarbeit, denn Ziel war es, für einen Trip nach Amerika zu sparen. Das war uns nach drei Monaten bei der Auskunft auch gelungen.  Eine andere Freundin blieb dabei, ihr bot man später eine Stellung in einer anderen Abteilung, damit die Beamtenlaufbahn, an. Sicherheit war ihr großes Ziel. „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“, wie meine Oma so schön zu sagen pflegte.  Die nächste Stelle wartet schon auf euch, dear Readers!

Film TIPP:  "Das ganze Leben liegt vor dir" (2008, Ital. Komödie ). Junge Frau im Call Center

 

Tuesday, June 9, 2026

1980

 

Fließbandarbeiterin bei KELLOG´S in Bremen

Nachdem ich das Gymnasium in der 11.Klasse abgebrochen hatte, und die Fachoberschule für Mode Design nichts für mich war (auch hier sollten wir vor allem in Mathe und Deutsch glänzen - öde) fing ich an, nach Stellenangeboten für Ungelernte zu schauen. Der Plan für 1 Jahr als Aupair nach Amerika, meinem Traumland, zu gehen kam nicht zustande.  Eine ältere Freundin hatte schon allerlei Joberfahrung und schickte mich zu Kellog’s ins Hafengebiet. Ich wohnte ja noch zuhause und dumm rumhängen kam nicht in Frage. Der Hit war Ende der 70er Jahre bei den neu-aufkommenden McDonald’s zu arbeiten, aber das erschien mir wesentlich zu stressig. Kundenkontakt? Oh nee, dann lieber in die Fabrik.  Dort wurden immer Aushilfskräfte am Band gesucht. Bei Kellog`s gab es damals in Cornflakestüten kleine Tierbilder, die musste unsere Damenriege - ein voller Karton damit auf dem Schoss - auf die am Band vorbeiziehenden Tüten legen. Wenn das Fließband einmal wegen einer Störung anhielt, - „Mechaniker!“ rief die Vorarbeiterin- hatte ich die optische Illusion, dass das Band in die andere Richtung weiterfuhr. Very strange!

Auf dem Weg zur Kantine ging es durch andere Abteilungen, dort schaufelten zB. die männlichen Kollegen riesige Zuckermengen in einen Ofen. Wir waren froh, harmlose Bandarbeit zu haben. Viele der Aushilfen waren Studenten, die unbedingt nach Pune, Indien wollten, um Guru Osho zu sehen.  Ich hatte damals noch keinen blassen Schimmer, wer das sein sollte, ganz zu Schweigen davon, dass ich selbst einmal in Indien landen würde. Oh man... Mein Interesse als Teenager galt ausschließlich allem, was mit Amerika zu tun hatte. Kellog´s country.     Ende 2017 war dort dann Schicht im Schacht.  Wie es bei mir weiter geht, lest ihr im next blog, dear Readers!

Film zum Thema Fabrikarbeit:Eine Frau steht ihren Mann: Norma Rae“ (1979) mit Sally Fields als Gewerkschaftsmitglied, das Stunk macht


Monday, June 8, 2026

1979

Meine erste Arbeit, für die es einen Stundenlohn gab, hatte ich mit 17 als Notenwenderin bei Radio Bremen (als ich den Begriff Notenwender google, lese ich, dass solche Leute auch gerne ´Blattlaus´ genannt werden, witzig). Ich nahm damals Klavierstunden, war also im Notenlesen geübt, wenn auch keine besonders talentierte Klavierschülerin.  Auf Anfrage vom Sender ging ich nach der Schule zu Klavierkonzerten in den großen Aufnahmesaal in der Vahr. Das bedeutete, dass ich neben einem (berühmten?) Klavierspieler saß eh... stand, und vorsichtig = leise im richtigen Moment seine Notenblätter wendete (es waren immer Männer). Puh, das waren angespannte Stunden. Ich musste natürlich so schnell „mitlesen“ wie der Musiker spielte, und genau den Zeitpunkt abpassen, an dem die Seite umgedreht werden sollte. Manchmal gab es dazu vom Maestro ein Kopfnicken, dann flux ohne Geräusche das Blatt wenden. Wenn es mal nicht perfekt klappte, tönte aus dem Aufnahmestudio eine genervte Lautsprecherstimme „Nochmal, bitte!“ Nicht zum Vergnügen des Pianisten, wie ihr euch denken könnt. Die besten Tage waren die, an denen die Musiker die Stücke auswendig spielen konnten, keine Blattlaus brauchten oder das Konzert ganz ausfiel. Geld gab es trotzdem.  Ich habe keinen blassen Schimmer, wie ich an diesen Job kam. Ach, diese Erleichterung, wenn ich den Konzertsaal verließ.  Wie es weiter geht, lest ihr im  next blog, dear Readers!

Film zum Thema Das Mädchen, das die Seiten umblättert“, Thriller, Frankreich 2006 : siehe link trailer Bitte Umblättern.  Uriger Weise sah ich mit 16 auch n bischen so aus, wie diese Hauptfigur....

Friday, June 5, 2026

Karriere - wat isn ditte?

Ab und zu liest man von Menschen, die von Kindheit an wissen, was sie werden wollen. Obwohl ich als 8-Jährige auf meinem Schulweg davon träumte, als imposante Rednerin vor einem riesigen Publikum zu sprechen, begeistert beklatscht natürlich, fehlten mir irgendwie die nötigen Inhalte und einen Plan, dies in die Tat umzusetzen.  
Als Teenager beschränkte ich mich auf Ideen für Mädchenberufe, irgendwas mit Kindern oder Mode oder Sprachen. Karriere? Man ergreift halt irgendeinen Beruf, um die Miete zu zahlen, oder? Obwohl ich es immerhin auf’s Gymnasium schaffte und ein Bücherwurm war, gehörten Phantasien über ein interessantes Berufsleben nicht zu meinen Tagträumen. Ich schaute mir lieber amerikanische Spielfilme an, und dachte, alle Männer würden sich irgendwann schon in einen Robert Redford oder Terence Hill verwandeln mit dem ich dann glücklich werde, logo. „Hollywood-geschädigt“ nannte mich Jahre später eine Freundin.  Zum Berufsleben fiel mir nicht fiel ein.   Ziemlich cool fand ich allerdings als Teenie (der 70er Jahre) die Journalistin Margret Dünser, die in der Fernsehsendung „V.I.P.Schaukel“ berühmte Persönlichkeiten interviewte. Dass war mal was nach meinem Geschmack. Fotografin oder Buchdruckerin hätte mir auch gefallen.... später.  Naja, das Leben ist kein Wunschkonzert und leider auch nicht "Ferien auf dem Immenhof" , quelle demage!  Des weiteren verläuft das Leben eh immer anders als gedacht: mit 20 bekam ich das erste Kind, mit 22 das Zweite. Nix mit Beruf, also mit Geld verdienen, denn ohne Ausbildung in Dschland, Pustekuchen. Schulabbruch in der 11.Klasse war nicht wirklich ideal, dann bleiben halt nur Aushilfs- und Malocherjobs. Rückblickend dachte ich oft 'alles andere als Muttersein ist sowieso Pille-Palle, außer natürlich du wirst Gehirnchirurg oder so was wie Richter beim Supreme Court'.  Tja, nur dazu benötigt man allerdings äußerst viel Selbstdisziplin und Ehrgeiz, von beiden befindet sich nichts im meiner DNA.    Hier nun mein chronologischer Werdegang, wie wir Deutschen es nennen. Der Gang des Werdens einer "Angestellten".... in the next blog, dear Readers.