Tuesday, September 22, 2026

2010/11

 Ende 2009 zurück in Indien (oh no)  heirate ich verrückte Nudel Rajesh und schwitze einige Monate weiter in Delhi, bevor ich zum 389.Mal in Berlin lande. Und was war 2010?  Keinen blassen Schimmer. Wahrscheinlich viele Bewerbungen und außer Spesen nichts gewesen.

April 2011, wieder in Delhi (unbelehrbar !) 

Erst wollte ich beim Goethe Institut den Lehrgang zur Dozentin „Deutsch-für-Ausländer“ machen, das war nur leider recht teuer, sollte auf 1 Jahr verteilt sein, teilweise auch in München stattfinden.... Stattdessen entschied ich mich endlich den Kurs für das Diplom CELTA,  um Englisch zu unterrichten. Das British Council bot dieses Zertifikat der University of Cambridge in Delhis Innenstadt an. 

...Viele nette Engländer und Inder sind in meiner Klasse, es ist eine wahnsinnige Aufgabe, den Stoff in 4 Wochen durchzukriegen. Vormittags Theorie büffeln, nachmittags gleich Unterricht mit echten Schülern. Dabei werden wir natürlich ständig evaluiert. 1x die Woche gibt es Tests. Jeden Tag müssen lange Unterrichtspläne geschrieben werden. Heiliger Bimbam, was für Arbeit, macht aber sauviel Spaß. Die Lehrerinnen sind super professionell. Hab die Abschlussaufgabe bestanden, und danach gleich ein Praktikum als Lehrassistentin absolviert: ich war bei einem Sommerkurs für Teens eingeteilt. Ach, die indischen Schüler sind so brav.

Miss Tina mit der wissbegierigen Sommer- Gang, alles natürlich Kids aus wohlhabenden Familien, die auf keinen Fall zulassen können, dass ihre Sprößlinge in den Ferien nichts zu tun haben.

Wednesday, September 9, 2026

2009

Als Reservierungsagentin bei HERTZ Autovermietung in Irland

Im Dezember 08 hab ich mich bei einer Autovermietungsfirma beworben, die für ihr Call Center in Irland Leute im deutschsprachigen Markt sucht. Alle großen Firmen der Welt haben wegen der Steuervergünstigungen ihren Sitz in Irland. Man verpflichtet sich bei Hertz für mindestens 1 Jahr, und bekommt dafür den Flug nach Dublin, 2 Wochen in einem bed-und breakfast und 4 Wochen Training. Super, endlich wieder Kohle! Genau 1700 Euro brutto, und nur 120 Euro Abzüge. Aber eben auch keine wirkliche Krankenversicherung. Von Hartz4 zu Hertz. LIFE!

Nach dem Vorstellungsterrmin in Berlin kommt die telefonische Zusage und ich hab 5 Wochen Zeit, mein Leben neu zu arrangieren. Die Wohnung in Charlottenburg behalte ich während der Probezeit, man kann ja nie wissen. Hab mich sofort beim Job Center abgemeldet, aber die Sozialleistungen kommen auch diesmal weiterhin. Mist. Das 3. Mal passiert das nun schon.

In Swords, einem kleinen Ort nördlich von Dublin, liegt das Hertz Center und natürlich das Bed & Breakfast, wo ich und zwei deutsche Kolleginnen erstmal abgestiegen sind. Wir bestehen die sehr stressige Trainingsphase, während der wir ua. das Softwareprogramm und Kundengesprächsführung erlernen. Die Software ist ein total veraltete MS-DOS System! Heiliger Bimbam!  Man muß dem PC immer erst den Befehl erteilen, in welches Feld er in „Access“ zu springen hat, zB. bei Nachnamen des Kunden tippt man erst „C NAM“ , dann den Kundennamen. Das bedeutet, gutes Gedächtnis, Konzentration und Schnelligkeit. Dabei sollen wir natürlich geschickte Gesprächsführung mit Kunden beherrschen. Am Ende erwartet uns ein angstmachender Telefon-Test, den ich voller Stolz bestehe. Das war das Schwerste, was ich für all meine Jobs bisher neu lernen musste. Dann beginnt die Routine. Schichten bekommen die Neuen vorerst nur tagsüber. 

Ich hab schnell ein Zimmer in einem Reihenhaus gefunden, so wohnen alle Call Center Jobber. Mehr kann man sich nicht leisten. 1 Zimmer für 530 Euro warm! Stöhn. Wir wohnen in dem Reihenhaus mit 5 Erwachsenen, teilen uns Küche mit 2 Kühlschränken und 1 Waschmaschine. Es ist Februar und im März stellt der Hausherr auf einmal die Heizung ab, weil wir zu viel heizen würden. Es ist schweinekalt, hat sogar mal geschneit und in den irischen Papphäusern zieht es wie Hechtsuppe durch die Fensterritzen. 

Bei HERTZ ist das gewünschte Ziel für Agenten pro Tag 20 Reservierungen ins System einzubringen. Wir erhalten rund 60-80 Anrufe pro Tag, die meisten davon sind einfache Angebotsnachfragen oder Beschwerden . Wir sollen alle Anrufe in eine Reservierung umwandeln. Wenn wir die Quote schaffen, bekommen wir Ende des Monats einen Bonus von 200-500 Euro. Es gibt einige, meist männliche Kollegen, die dies immer wieder schaffen. Wir Neuen begreifen das nicht, weil wir schliesslich nicht beeinflussen können, wie viel oder welche Anrufe wir rein bekommen. Das ist alles automatisch geschaltet. 

Die deutschen Kunden flippen manchmal aus, wenn sie merken, sie sind in Irland gelandet (wir müssen auf die 1-stündige Zeitverschiebung achten, wenn eine Sofortanmietung reinkommt), weil sie denken, sie müssen nun ein Ferngespräch bezahlen. Das Angebot, mit Kreditkarte zu zahlen, weil der Tarif dann günstiger wird, lehnen die meisten kategorisch ab. Was, Kreditkarte? Wer hat denn so was? Nur Bares ist Wahres, und all diese Sprüche. Ich höre auch irgendwann auf, mich mit Snyder zu melden, die Kunden sagen alle durchweg Schneider zu mir. Armleuchter. Einmal rief mich ein Kunde aus dem fahrenden, offenen Auto an,  ich konnte ihn kaum verstehen. Meine Güte, muss das sein? Angeber. 

<<<< Betty in ihrem Team- Quadrat mit Kopfhörer, schon leicht angesäuert

Anrufe aus der Schweiz werden vorab mit „Schwitzer Dütsch“  angekündigt, dann sind wir besser gewappnet, unsere Ohren zu spitzen. Bei Anmietung in Basel müssen wir aufpassen, wo der Wagen nach Anmietung stehen gelassen wird bzw. ob sie aus Deutschland kommen, Frankreich oder der Schweiz . Grenzrichtlinien. Oder war das in Genf so? Auch in Neuseeland ACHTUNG: auf welcher Insel wird ein Auto benötigt, Nord -oder Südinsel, es darf nicht die Fähre zur anderen Insel genommen werden und so weiter. Manche Kunden machen einen echt fertig, wenn etwas nicht geklappt hat, auch wenn man rein gar nichts damit zu tun hatte. Und die Kollegen vor Ort in den Verleihbüros kriegen regelmäßig Zustände, weil wir viel zu kurzfristig Reservierungen ins System eingeben. So schnell können die gar nicht die Fahrzeuge fertig machen. Wir sollen es aber so machen. So ein Käse! Wir müssen uns dann bei den eigenen Kollegen für die Hertz Firmenstrategie entschuldigen. Na super. Mich hat schon mal ein fieser Kunde zum Heulen gebracht. Schrecklich. 

Die Kollegen sind teilweise schon so lange dabei, die sind eiskalt. Ihnen ist der Kunde ja sowas von schnurzpiepegal. Ich will so nicht werden. Und weil mir Irland und die Iren und ihre Ausländerfeindlichkeit und das langweilige Publeben und all das auf den Keks geht, pack ich nach 5 Monaten wieder mein Köfferchen. Seit 2004 durften Polen in der EU leben, viele kamen ins aufstrebende Irland, bekamen aber nur Malocher Jobs während die Iren offensichtlich immer reicher und arroganter wurden. Uns hat man auch oft mit „You people“ abfällig angesprochen. Schon im Pub machten sich die barkeeper darüber lustig, wenn wir statt des teuren Guiness Biers das günstigere Foster Bier bestellten. Oh man, die Globalisierung!

Durch diese Arbeit hab ich auf jeden Fall für mich selbst begriifen, niemals Call Center Mitarbeitern dumm zu kommen, die stellen dann nämlich auf stur oder Durchzug.  Untertänigst um Hilfe betteln, damit kommt man als Kunde weiter, das lasst euch gesagt sein.  Ende 2009 zurück in Indien (oh no)  heirate ich verrückte Nudel Rajesh und schwitze einige Monate weiter in Delhi, bevor ich zum 389.Mal in Berlin lande. Und was war 2010?  Keinen blassen Schimmer. Wahrscheinlich viele Bewerbungen und außer Spesen nichts gewesen.


Wednesday, August 26, 2026

2008

 

Wegen Umzugs in einen anderen Berliner Bezirk mußte ich 1 Jahr später das Job Center wechseln. ... Ich werde 46....

Beantragung einer Fortbildung : ich möchte an einer Schulung teilnehmen, die weltweit anerkannt ist, um Erwachsenen Englisch beizubringen. Englisch ist und bleibt nun mal das Einzige, was ich wirklich kann. Das Lehrseminar kostet 1500 Euro (4 Wochen intensives Training zur Englischdozentin). Wurde vom Sacharbeiter abgelehnt.  „Kenn ich nicht, bringt nichts, zu teuer“, meint der ältere Heini. Ein Ossi war das, bin mir sicher. Dieser Herr ist zuständig für Arbeitslose mit dem Buchstaben „S“ , die einen  Hochschulstudium haben. Er jammerte mir beim Besuch in der Bundesallee erst noch die Ohren voll, dass sie - die Sachbearbeiter - dauernd Kunden mit einem anderen Anfangsbuchstaben bearbeiten müssten. Der Arme. Hallo? ICH bin hier arbeitssuchend, alter Schwede!   Der weiß noch nicht mal, ob ein Bachelor Abschluss in Deutschland überhaupt anerkannt ist. Sollte er aber. Er sagt mir, dass er nicht versteht, warum man lernen müsse, wie man deutschen Erwachsenen Englisch beibringe. Ich frage ihn daraufhin, ob er sich als Mann, der Deutsch als Muttersprache spricht, auch zutraue, erwachsenen Türken Deutsch beizubringen? Keine Antwort.  Arschlöcher überall.

Ich habe mich als Kundenberaterin bei Lufthansa beworben (im Adlershof Call Center für Flugbuchungen), Voraussetzung Fremdsprachenkenntnisse und mindestens Abitur:  Ich bekomme eine Einladung zum „Assessment Day“: ein 6-stündiger Interview-Prozess mit 10 weiteren Kandidaten. Heiliger Bimbam, ich will kein Top Manager werden! Nach der Begrüßung durch 2 junge Frauen, gab es für uns Bewerber (ungefähr 12 Leute) erstmal zwei Stunden schriftliche Tests bestehend aus Logik, Konzentration, Essayschreiben, und einer Übersetzung sowie Airport Code Abfrage; gefolgt von Gruppendiskussion ohne Anleitung mit Gruppen A und B; zuletzt Rollenspiele zu zweit, einmal als Kundin, einmal als Verkäuferin.  Am Ende wurden vor versammelter Mannschaft, wie bei Germany´s Next Top Model, diejenigen aufgerufen, die zur nächsten Runde vorrücken könnten, die anderen blieben verdutzt sitzen. Die Loser bekamen aber die Gelegenheit zum Einzelgespräch, um zu erfahren, warum man nicht ausgewählt wurde. Man sagt mir, ich hätte während der Gruppendiskussion 1x meine Arme vor der Brust verschränkt, und beim gleichzeitigen Sprechen in der Runde einfach weiter gesprochen anstatt die Anderen ausreden zu lassen. Stimmt, ich fühlte mich in der Runde entspannt, und es gab von allen öfter Überschneidungen beim Sprechen, weil entweder vor lauter Höflichkeit keiner oder alle gleichzeitig sprachen, denn wir sollten uns ja in kurzer Zeit profilieren...Im Rollenspiel, in dem ich eine Kinokasseriererin spielte, sollte ich einer Frau, die statt des 6 Euro Eintritts nur 5 Euro zahlen wollte, eine Absage erteilen. Dabei hätte ich der Kundin den „Billigtag“ zum Kino angeboten, und das könne man, dürfe man so nicht beim Namen nennen. Ebenso musste ich einen Kaufhauskunden spielen, der eine Hose geändert haben wollte. Darauf wurde nicht eingegangen, auch nicht auf all das, was ich gut konnte.  Die meisten, die weiter kamen hatten keine guten Englischkenntnisse. Alle Abgelehnten der Runde waren über 40 Jahre alt und hatten wie mir schien „Persönlichkeit“, einen Charakter, hatten einen Mund und eigene Gedanken. Sie passten scheinbar nicht in das Schema  des idealen Lufthansa Kundenbetreuers. Versprochene Bezahlung war 1700 Euro brutto (=  1150 Euro netto bei LS K 1,  Vollzeit, Schichtdienst, Wochenendarbeit, Probezeit 6 Monate, danach dann Flugvergünstigungen und Jahresbonus).  Man muss sich überall erst zum Affen machen... Was hat´s genützt? Nüscht.

Vorstellung bei einer Personalfirma in einer Nobelstraße nähe Savignyplatz, die Check-in Damen am Flughafen Berlin-Tegel für Delta Air und Continental sucht (Morgenflüge nach New York). Arbeitszeit ungefähr 5-6 Stunden am Tag. Für die ersten 6 Monate Anstellung bei der Personalfirma – später Chance auf Übernahme - soll es € 6.80 Euro die Stunde brutto geben, dann bei Einstellung bei der American Airline für € 7.20 brutto die Stunde. Englisch Pflicht. WOLLEN DIE MICH VERARSCHEN????? Wovon soll man leben? Nach dem Schock ging ich zurück zur S-Bahn Station, vorbei an Mittag-essenden Yuppies draussen im Sonnenschein. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich den Drang, den Leuten ihr Essen vom Teller zu mopsen, den schönen Salat, auf den ich stieren konnte. Ich hab plötzlich die Bettler in Indien  kapiert.  Unten angekommen? Oh ja. Aber immer noch nicht tief genug, um mich für 6,80€ brutto die Stunde um 5 Uhr morgens von ungeduldigen Fluggästen anmachen zu lassen. Das ist halt die Krux bei Hartz4: der Stundenlohn (Mindeslohn gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht ) ist so niedrig, dass du durch Arbeit nicht nicht über den Sozialhilfesatz kommst , vor allem. weil ja auch alle Vergünstigungen wegfallen. Ein Teufelskreis....

Vorstellungstermin bei der indischen Botschaft, die am 1.8. in der Zeitung eine Bürokraft mit guten Englischkenntnissen suchte. Fast 3 Monate später kommt erst die Einladung zur Vorstellung. 13 andere Kandidatinnen kommen ebenfalls um 10 Uhr. Alle müssen einen Übersetzungstest machen, Deutsch- Englisch, Englisch - Deutsch. Nicht einfach. Danach Einzelgespräche in Englisch. Ich werde gefragt, ob ich Buchhaltung kann. Nein. Ich werde gefragt, wie ich das vorgesehene Gehalt von 1200 Euro brutto im Monat finde.´Nicht so gut´, sag ich natürlich nicht, bin ja nicht doof. Aber so eine Frage? Nee oh nee. Und es wird, von beiden Herren, die das Gespräch leiten, erklärt, dass man doch jemanden suche, der nicht nach 6 oder 12 Monaten wegen des Gehalts das Handtuch schmeißt. Was wollen die hören? Mir wird gesagt, ich sei ja sehr qualifiziert, und ich höre schon das unausgesprochene ABER. Die nehmen doch garantiert ne indische Tante, der das Gehalt Wurscht ist, weil sie einen verdienenden Ehemann in der Botschaft hat. Ha!  1200 Euro brutto im Monat, das sind 890 Euro netto. 90 Euro über der Armutsgrenze, 190 über HartzIV- Niveau. Ach, und ob ich denn gewillt sei, Buchhaltung zu lernen und am Wochenende auch mal eine Delegation vom Flughafen abzuholen. Sure thing.... Höre von denen nie wieder was. Assholes. Meistens bekommt man noch nicht einmal eine Absage, man hört gar nichts. Oder wenn, erst nach Monaten, da hat man sich schon bei so viel anderen Jobs beworben, dass man sich an nichts mehr erinnern kann.

Das Job Center schickt mir ein Stellenangebot: wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Hochschule. Freude! Es stellt sich nach einem Telefonat mit der Sachbearbeiterin heraus: es ist  kein Job, es ist eine Abschiebung in eine neue Maßnahme. UND nur für Geisteswissenschaftler.  Scheinbar gehöre ich mit einem Bachelor in Anglistik dazu. OK.  Aber Hochschule: Pustekuchen. Das soll dann so laufen: Angestellt wäre ich wieder für 6 Monate über einen freien Träger. Ich soll mich diesmal aber nicht bei einer öffentlichen Einrichtung nützlich machen, sondern soll mir einen Praktikumsplatz in der freien Wirtschaft suchen. Arbeitszeit: 38,5 Stunden, für 1200 Brutto. Hä? Wie Praktikum?  Eine Firma, die zu geizig ist, jemanden regulär zu vergüten, hätte dann 6 Monate einen freiwilligen Helfer. Ich find´s gruselig, rufe aber spasseshalber mal das Bücherkaufhaus Dussmann in Mitte an. Sie sind zu solch einem Deal mit dem Job Center natürlich bereit. Ich könne froh sein, dass man mich nehmen  würde, wird mir mitgeteilt. Und es bestünde auch Möglichkeit auf Übernahme nach dem Praktikum, wenn man nicht gerade den Auszubildenden den Vorzug lassen müsse. Die ganze Idee der Maßnahme sei der sogenannte Klebeeffekt. Das Arbeitsamt möchte uns dichter am „1. Arbeitsmarkt“ wissen. Ich bewerbe mich bei Dussmann daraufhin zusätzlich ganz schnell als richtige Mitarbeiterin , bekomme aber sofort eine Absage: keine Vakanzen! HA!  Nur für „Praktikanten“ scheint kurz vor Weihnachten dann doch ein Platz vorhanden. Die können mich mal!  Eine andere Buchhandlung hat auch Interesse bekundet, sagt dann aber ab, denn sie hätten keine Zeit, Leute in der Vorweihnachtszeit anzulernen, das würde schließlich immer so seine 2 Wochen dauern, bis die Neuen was drauf hätten. Wie ich höre, verdient man bei Dussmann. als reelle Buchhändlerin 1400 Brutto im 1.Jahr. Und darf dabei jeden Tag bis 20 Uhr arbeiten? Ich weiß, ich weiß, ich seh das alles viel zu kritisch, aber wo leben wir denn hier?  Man verlangt von einem BWLer auch nicht, Gedichte zu analysieren, aber Dichter sollen zu allem bereit sein? Manno.

Thursday, August 13, 2026

2007

Anekdoten einer Arbeitslosen (Teil 1)

Bin von Delhi nach Berlin-Neukölln gezogen . Öfter mal was Neues. Ich hatte 2 Bekannte dort und wollte nach dem Moloch der 13 Millionen Stadt Delhi nicht nach Bremen, musste in eine Chaotenstadt, damit der Kulturschock nicht so groß würde....so dachte ich.... Natürlich erstmal ohne Arbeit. Von nun an ging es regelmäßig zum Job Center. Ich bin 45.

Als ich zu einem Pflicht- Beratungstermin zum Arbeitsamt komme, ist vor mir noch ein junger Kerl dran. Die Tür ist halb offen und ich überhöre das Gespräch.  Der Mann ist, wie ich später erfahre, 30 Jahre alt. Er sitzt ziemlich lethargisch auf dem Stuhl und bekommt von der Arbeitsberaterin Vorschläge. Er sagt keinen Ton. Als ich an der Reihe bin, beklagt sich die Sachbearbeiterin bei mir über den „Kunden“, erzählt, dass er seit Schulabschluss noch nie gearbeitet hätte, noch zuhause wohne und praktisch nicht vermittelbar sei. Wie bitte? Er erschien mir ganz normal zu sein. Seit wann ist Faulheit eine Krankheit? Sollte ich mich vielleicht auch irgendwie „doof“ (unvermittelbar) stellen?  Nachdem die Dame mit mir akribisch meinen langen Lebenslauf durchgegangen ist, sage ich ihr, dass ich gerne die Handelskammer-Prüfung zur Übersetzerin machen würde, damit ich ein Zertifikat bekomme, brauche dafür aber ein paar Vorbereitungskurse, sonst sei es nicht zu schaffen. Sie meint daraufhin skeptisch, dass das doch eine ziemlich brotlose Kunst sei, und dass sie so etwas nur bewilligen könne, wenn ich nachweisen würde, dass ich hinterher eine Anstellung bekäme. Es soll mir also vor meiner Ausbildung versprochen werden, dass man mich später einstellt.  Wer macht so etwas? 

Meine Arbeitsberaterin druckt mir dann eine Liste mit 3 Vorschlägen für ABM Stellen aus. Ich wundere mich, warum der junge Mann vor mir sich zu nichts entscheiden musste, ich aber gleich beim 1.Besuch mit Jobmöglichkeiten bedient werde? Mir gefällt allerdings eine der Stellen als Hausaufgabenbetreuerin für Migrantenkinder in den Räumen der öffentlichen Bibliothek. (Hartz IV zur Zeit bedeutet: 350 Euro plus Warmmiete ; die wären damit beendet) Kann nur besser werden ! Als ABM Kraft arbeite ich dann bei einem sogenannten Trägerverein, einer gemeinnützigen Organisation, die irgend was mit Fortbildung, Weiterbildung, etc zu tun hat. Dieser Trägerverein verleiht mich umsonst an die Stadtbibliothek.  Das Ganze läuft in meinem Fall unter dem Projekt „Stadtteilmütter“, in das auch die, die nicht als Stadtteilmütter arbeiten, gesteckt werden.  In meiner Gruppe sind ungefähr 15 Frauen. Die meisten sind in Seniorenheimen oder Kindergärten als sogenannte MAEs beschäftigt, die 1-Euro Jobber. Bezahlt wird der Träger vom Arbeitsamt und aus dem Europäischen Sozialfond. Dieser Träger zahlt uns dann ein Gehalt, mit entsprechenden Abzügen natürlich. Für 30 Stunden die Woche bekomme ich 1000 Euro brutto im Monat. Ich habe Glück wegen meines Studiums einen besseren Stundenlohn zu bekommen, und bin als ABM auch besser gestellt als MAEs. Netto bleiben 800 Euro, das sind 100 Euro mehr, als ich mit HARTZ IV habe. Nur ohne Hartz IV bekommt man auch keine verbilligten Tickets für den öffentlichen Nahverkehr (die Monatskarte also wieder 70 Euro statt der 33 Euro im Monat für Bedürftige), keine Erleichterungen bei kulturellen Veranstaltungen und keine Befreiung von GEZ Gebühren. So dass die 100 Euro Mehrverdienst eigentlich sofort wegrationalisiert sind. Sprich: da das Arbeitsamt in Wirklichkeit immer noch für mich zahlt, nur eben versteckt über einen „Träger“, arbeite ich jetzt 30 Stunden für den Staat.... Na gut. 

Die Arbeit hat Spaß gemacht, ich durfte auch mal Bibliotheksarbeiten verrichten. Die türkisch oder arabischen Kinder und Jugendlichen, meist Mädchen, die zu uns kamen, waren ganz putzig; die Kollegen nette, mittelalte Leute wie ich. Hat n halbes Jahr gedauert, dann landete ich wieder wie ein verliebter Teenager beim vermissten Inder in Delhi.

Fernsehtipp: „Schnitzel geht immer“, 2 arbeitslose Hartz4 Freunde auf Jobsuche :-)


Saturday, July 18, 2026

2006 bis 2007

Chefsekretärin (PA) des Direktors am GOETHE Institut, NeuDelhi, Indien

2005 zog ich zum neuen, indischen Freund (dem späteren Göttergatten) nach Delhi, und dort besuchte ich eines Tages das Goethe Institut, um dort in der kleinen Bibliothek deutsche Zeitschriften zu lesen. Ich fragte später die Bibliothekarin, eine Berlinerin, ob sie nicht vielleicht einen Job für mich hätte. Ich konnte erstmal ein Praktikum machen, OK, war somit oft im Institut und lernte Leute kennen. Eines Tages wurde die Stelle der Chefsekretärin frei und ich bekam sie. Natürlich nicht mit den deutschen Privilegien, sondern nur mit einem Vertrag als „Ortskraft“: 35.000 Rupien gab es, so rund 400 Euro im Monat für eine Vollzeitstelle. Die „richtigen“ Goethe Mitarbeiter/Abteilungsleiter bekamen zu ihrem guten deutschen Gehalt ein Haus bzw. Wohngeld,1x im Jahr einen  Heimaturlaub und x andere Vergünstigungen gestellt. Dem deutschen Steuerzahler sei dank.  Das ganze Goethe Netzwerk untersteht ja dem Auswärtigen Amt....  Ich saß im Vorzimmer des Direktors Dr.D. Er war von der Sorte Bürokrat mit Kulturinteresse, ganz nett, etwas steif. Und ein Kettenraucher mit den übelsten braunen Zähnen, die je gesichtet wurden. Wie seine Frau mit dem Gebiss neben ihr nachts einschlafen konnte war mir schleierhaft.  

Das Goethe Institut heisst in Indien Max Mueller Bhavan (MM Haus) bietet Sprachkurse an sowie diverse Kulturveranstaltungen, es hatte in Delhi in einem Nebengebäude auch eine Bibliothek und eine Kantine. Wenn ein Kellner Dr.D. (zum X.Mal am Tag) Kaffee brachte, schnauzte der kettenrauchende Chef den armen Kerl an, wenn ein winziges Stück Dreck im Zucker war. Fremdschämen. Man oh man.

Meine Aufgaben waren dort sehr vielfältig. Ich musste zB. den Fahrer des Hauses einteilen, denn es mußte immer irgend jemand abgeholt oder gebracht werden: Gäste zurück ins Hotel, Praktikanten vom Flughafen, Mitarbeiter zu anderen Kultureinrichtungen, so was halt. Alles genau nach Plan.

Dann war ich für die Praktikanten zuständig. Erst schriftlich bei Bewerbungen, danach vor Ort, denn ich musste ihnen Zimmer besorgen und ihnen vorab „Indien erklären“. Bei Mitarbeiterkonferenzen musste ich Protokoll führen und hinterher an alle weiterleiten. Die Inder sagen übrigens zu allem ‚Ja und Amen‘. Ja, wir machen das. Ja, kein Problem. Beim nächsten Treffen war dann allerdings nichts von dem geschehen, aber es hieß wieder „Ja, klar, wir machen das“.  :-)  Mein Chef meinte nach Einsicht meiner Notizen, ich müsse mich bitte gewählter ausdrücken, aber Bürokratendeutsch war mir verhasst, ich wollte  alles schnell auf den Punkt bringen und nicht um den heißen Brei reden. Wir machten da ja keine Raketenwissenschaft oder Gehirnchirurgie.

Die größte Aufgabe für mich aber waren die Reisebuchungen der Mitarbeiter, die nach Hause oder zu anderen Instituten fliegen mussten, oder für Kulturschaffende, die ins Institut eingeladen wurden. Der Chef flog ständig in Indien herum, denn er war der Direktor für ganz Südasien plus Pakistan und Bangladesh. Die Deutschlehrer flogen auf Lehrgänge nach München. Bei Ausstellungen mussten die Künstler eingeflogen werden. So war ich fast täglich in Kontakt mit dem lokalen Lufthansabüro. Das war ganz schön hektisch und ich mußte aufpassen wie ein Lux, dass ja nichts falsch gebucht wurde.  Die Goethe Leute hatten natürlich immer Extrawürste. Und bittschön bloß nicht ihre Vielfliegermeilen vergessen!

Zwischendurch kamen immer Leute in mein Büro geschneit, die was vom Chef wollten und die ich abzuwimmeln hatte. Ich weiß noch, wie einmal Ulrich Greiner vor mir saß, Literaturkriter der „Zeit“. Er hatte seinen Pass im Hotel in Agra vergessen, der Hirni, und nun sollte ich sehen, wie ich ihm aus der Patsche helfe. Ein anderes Mal sollte ich für den Schriftsteller Martin Mosebach und Frau eine passable Wohnung finden, düste von A nach Z, hatte auch etwas gefunden, bis der liebe Chef aus unerfindlichen Gründen raunzte, er würde das lieber selber machen. Idiot! Mosebach sollte einen Monat Stadtschreiber in Delhi sein, und weil er nicht am Computer schreiben konnte, musste seine Frau als Tippse auch dabei sein. Später hat er dann ein kleines Buch über seinen Indien-Aufenthalt veröffentlicht. Unmöglich. Auf Kosten der Steuerzahler reisen und dann privat daraus Profit scheffeln. Überall nur Banausen! 

Ebenso musste ich Buch über die Bar führen. Wer wieviel Alkohol zu welchen Veranstaltungen verbraucht hat, das musste ganz genau kontrolliert werden. Ha! Nur ich hatte den Schlüssel zu diesem wertvollen Schrank. Ebenfalls mussten anfallende Handwerker- oder Gartenarbeiten zugeteilt werden. Der Gärtner durfte nicht für andere Zwecke genutzt werden, da sind die Inder sehr streng, alles schön nach Berufskaste getrennt, bitte sehr. Veranstaltungen mußten organisiert, Einladungen verschickt werden, und und und. Die Welt bestand aus Goethe. 

Nach 1 Jahr hab ich das nicht mehr ausgehalten. Die Verschwendung für Hotels und Flüge einerseits, das mickrige Gehalt für mich und die Locals andererseits. Ausserdem weihte mich mein Chef in Nichts ein, ich war die Letzte, die etwas erfuhr. Einmal hat er mir in meiner Mittagspause unterstellt, ich würde die Leute, die er telefonisch erreichen musste, nicht anrufen (hatte mir die Finger nach ihnen wund telefoniert und niemanden erreicht), und dann glaubte er, ich mache Privatkram während der Arbeitszeit. Unverschämtheit. Tatsächlich arbeitete ich gerade an einer Übersetzung für das Nationale Literaturinstitut (Indien war in dem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse), denn ich wollte mir etwas dazu verdienen, doch lustigerweise konnte ich auf das Schild, das auf meinem Schreibtisch stand zeigen: „Mittagspause“. All das UND seine Arroganz hat mich dann dazu getrieben, mich eines Morgens schon um 6 Uhr ins Büro zu schleichen, alle Arbeiten zu beenden, letzte Emails zu verschicken und meine sofortige Kündigung auf seinen Tisch zu legen. Den ganzen Tag rief er mich an, schrieb Emails und bettelte, ich möge zurück kommen. Aber ich blieb stur. Sicherlich wieder ein Riesenfehler, zukunftsmäßig betrachtet, aber ich war am Ende meiner Nerven, auch durch das Leben in Delhi. Allein die Fahrt in die Stadt jeden Morgen in dem Verkehr eine Stunde lang. Es war schon die Hölle diese Stadt.

Das Buch von Herrn Mosebach: „Stadt der wilden Hunde. Nachrichten aus dem alltäglichen Indien“ (2008, Hanser Verlag) 

die deutsche Oase mitten in der Stadt

Tuesday, July 14, 2026

2002 bis 2004

 Übersetzerin und Bürokraft bei der U.S. Militärkriminalpolizei in Darmstadt

Da ich noch Familienmitglied eines Zivilisten bei der US Army war, wurde ich bei Bewerbungen in der amerikanischen Kaserne bevorzugt. Diesmal sollte es in die Cambrai-Fritsch Kaserne gehen, wo die Militärpolizei mit Abteilung C.I.D (Kripo) ihren Stützpunkt hatte. Ich kannte dort eine Frau, die schon seit Jahren bei den MPs tätig war: Dorit mit den langen grauen Haaren und den schlechten Zähnen.  Sie kam ursprünglich aus Bremerhaven, also war klar, dass wir uns gut verstehen würden. Eine kleine, dicke Chaotin war sie, deren Büro auch ganz schön müffelte. Sie war ständig mit Personallisten beschäftigt, in denen sie mit vielen bunten Filzstiften rummalte. Jeden Monat war sie mit irgend etwas zu spät dran. Wir waren damals noch oft zusammen draussen rauchen. Das machte mir meine Einarbeitungszeit jedenfalls etwas angenehmer. 

Die CID Agenten waren jungen Leute, Soldaten in Zivil, die Chefs coole Typen mit Motorrädern, bis wir dann eine eingebildete, schwarze Pute mit Silikonbrüsten bekamen. Au man. Bis dahin war der Job super, ich hatte meine eigene Schreibtischecke, war so eine Art Empfangsdame, und alle waren mir wohl gesonnen (wichtig!). Außer Akten abzulegen und sortieren und Dokumente zu übersetzen (von oder für die deutsche Kripo), musste ich Telefonate weiterleiten, die Dienstfahrzeuge warten lassen, und allerlei Dies und Jenes verrichten, hatte aber auch viel Zeit zum Schreiben persönlicher Emails. Damals ging ja die „Brieffreundschaft“ mit Rajesh in Delhi (Göttergatte Nr. 3 wurde er) gerade los. Man, haben wir hin-und hergemailt. Da wurden die Drähte heiß. Seinetwegen verließ ich diesen gut bezahlten Posten, bin von Darmstadt nach Delhi ausgewandert. Der Beginn meines finanziellen Abstiegs. 

Bei der CID war ich zwei Jahre, eine lange Zeit für mich. Ich wohnte anfangs nicht weit weg von der Kaserne, war oft in der Pause in der Turnhalle oder Bibliothek. Es war immer was los, man ist zusammen zum Heiner Fest gegangen, hat im Brausebrand mit dem Chef rumgeknutscht und solche Sachen. Angestellt war man übrigens nicht bei den Amerikanern, sondern beim deutschen „Amt für Verteidigungslasten“. Als ich schon in Delhi lebte, zahlten die Idioten mir noch 3 oder 4 Monate weiter das Gehalt, obwohl ich ihnen mitteilte, dass ich gar nicht mehr dort arbeitete.   Anyway, die Arbeit war wirklich prima, ich durfte oft zu Kriminalbeamten nach Frankfurt oder zur Darmstädter Kripo für Aktenaustausch oder zum Dolmetschen fahren, wenn die Agenten dabei waren. Es war eine lustige Truppe, bei dem Amis natürlich alles immer viel lockerer als bei einer deutschen Firma. Und ich war alleine für meinen Bereich zuständig, zum Teamplayer bin ich nicht geboren. Die Fälle waren natürlich oft traurig. Als es in den Iraqkrieg gehen sollte, begingen einige Soldaten Selbstmord. Ich durfte dann die Fotos dazu einsehen. Nee oh nee. Einmal hatte ein G.I. in Frankfurt seine schwangere Exfreundin in ihrer Wohnung mit dem Messer abgestochen. Auch gab es Vergewaltigungen an den weiblichen Soldaten, die leider noch oft von hämischen Kommentaren der Agenten begleitet wurden. Machos überall. Es gab auch eine Art militärischen Staatsanwalt, der die Fälle vor Gericht brachte. Alles in allem, sehr abwechslungsreich und eine Arbeit, zu der ich gerne ging. Aber ich Trottel musste ja nach Indien auswandern. Au weia, das ist wieder ein anderes Kapitel.

Filmtipp:  Münster „Tatort“, der mit Nadeshda als Assistentin 


Friday, July 10, 2026

der Abschluss

 
Der BACHELOR, nein nicht die Liebestrashsendung, sondern der Abschluss! Leider sind bei diesem ollen Ding noch nicht mal meine Fächer vermerkt, unverschämt. Und das Datum in Worten, das hat mir in Germany schon so manche Probleme bereitet.  Anyway, Englisch und Verhaltenswissenschaften waren die Hauptfächer.  Wat'ne  Kombo. Notendurchschnitt B = 2  (120 credit hours) Naja, besser als in die hohle Hand geschissen. Hat rund 20tausend Dollar gekostet. Göttergatte 2 hat's bezahlt, dafür hab ich ihm meine 30er Jahre geschenkt.                                                          Sponge over....