Auskunftsfräulein bei der Deutschen Post
Als nächstes ging es zum Fernmeldeamt in die Telefonauskunft der Deutschen Post. Ich war bei der Inlandsauskunft, Rufnummer 118. Zwanzig bis dreißig junge Frauen saßen in 4er Reihen mit Kopfhörern in einem großen, hellen Saal, vor uns ein riesiger Bildschirm: das Lesegerät für Microfichekarten. Tja in Zeiten vor Google alles Handarbeit. Wenn ein Kunde = „Teilnehmer“ anrief, leuchtete ein Lämpchen, wir drückten auf eine Taste und waren verbunden. Natürlich sollte zügig geantwortet werden, damit es keine lange Warteschleifen gab, aber es war kein großer Druck im Nacken, jedenfalls nicht wie in den heutigen Call Centern, wo alles mitgehört, nachgezählt und kontrolliert wird. Neben dem Bildschirm war ein Kasten für die Microfichekarten mit Daten aus ganz Deutschland in den Tisch eingelassen. Telefonbücher in Miniaturformat. Logischerweise suchte man darauf erst den Ort und dann den gewünschten Teilnehmer `raus. Die Anrufer mussten etwas Geduld haben, denn es geschah ja manuell. Alte Oma ist schliesslich kein D-Zug :-) Während gesucht wurde machten wir natürlich ein wenig small talk mit den Kunden. Dabei wurde auch geflirtet, wenn man sich stimmen-mäßig attraktiv fand. Manche Kolleginnen haben das vielleicht etwas übertrieben, dann kam die „Aufsicht“ schon mal rum, und mahnte, sich nicht zu verquatschten. Alles in allem trotzdem ein angenehmer, stressfreier Arbeitsplatz. Es gab auch Nachtschichten: dort saßen wir zu viert, und hatten meistens einen lustigen Abend. Irgend Eine brachte Piccolos mit und, wenn ich mich recht erinnere, konnten wir sogar rauchen. Abwechselnd haute sich eine von uns für zwei Stündchen im Krankenzimmer auf die Liege. Morgens wankten wir trotzdem hundemüde aus dem Postgebäude. Für mich und meine Freundin war die Auskunft eine Aushilfsarbeit, denn Ziel war es, für einen Trip nach Amerika zu sparen. Das war uns nach drei Monaten bei der Auskunft auch gelungen. Eine andere Freundin blieb dabei, ihr bot man später eine Stellung in einer anderen Abteilung, damit die Beamtenlaufbahn, an. Sicherheit war ihr großes Ziel. „Jedem Tierchen sein Plaisierchen“, wie meine Oma so schön zu sagen pflegte. Die nächste Stelle wartet schon auf euch, dear Readers!
Film TIPP: "Das ganze Leben liegt vor dir" (2008, Ital. Komödie ). Junge Frau im Call Center

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