Saturday, July 18, 2026

2006 bis 2007

Chefsekretärin (PA) des Direktors am GOETHE Institut, NeuDelhi, Indien

2005 zog ich zum neuen, indischen Freund (dem späteren Göttergatten) nach Delhi, und dort besuchte ich eines Tages das Goethe Institut, um dort in der kleinen Bibliothek deutsche Zeitschriften zu lesen. Ich fragte später die Bibliothekarin, eine Berlinerin, ob sie nicht vielleicht einen Job für mich hätte. Ich konnte erstmal ein Praktikum machen, OK, war somit oft im Institut und lernte Leute kennen. Eines Tages wurde die Stelle der Chefsekretärin frei und ich bekam sie. Natürlich nicht mit den deutschen Privilegien, sondern nur mit einem Vertrag als „Ortskraft“: 35.000 Rupien gab es, so rund 400 Euro im Monat für eine Vollzeitstelle. Die „richtigen“ Goethe Mitarbeiter/Abteilungsleiter bekamen zu ihrem guten deutschen Gehalt ein Haus bzw. Wohngeld,1x im Jahr einen  Heimaturlaub und x andere Vergünstigungen gestellt. Dem deutschen Steuerzahler sei dank.  Das ganze Goethe Netzwerk untersteht ja dem Auswärtigen Amt....  Ich saß im Vorzimmer des Direktors Dr.D. Er war von der Sorte Bürokrat mit Kulturinteresse, ganz nett, etwas steif. Und ein Kettenraucher mit den übelsten braunen Zähnen, die je gesichtet wurden. Wie seine Frau mit dem Gebiss neben ihr nachts einschlafen konnte war mir schleierhaft.  

Das Goethe Institut heisst in Indien Max Mueller Bhavan (MM Haus) bietet Sprachkurse an sowie diverse Kulturveranstaltungen, es hatte in Delhi in einem Nebengebäude auch eine Bibliothek und eine Kantine. Wenn ein Kellner Dr.D. (zum X.Mal am Tag) Kaffee brachte, schnauzte der kettenrauchende Chef den armen Kerl an, wenn ein winziges Stück Dreck im Zucker war. Fremdschämen. Man oh man.

Meine Aufgaben waren dort sehr vielfältig. Ich musste zB. den Fahrer des Hauses einteilen, denn es mußte immer irgend jemand abgeholt oder gebracht werden: Gäste zurück ins Hotel, Praktikanten vom Flughafen, Mitarbeiter zu anderen Kultureinrichtungen, so was halt. Alles genau nach Plan.

Dann war ich für die Praktikanten zuständig. Erst schriftlich bei Bewerbungen, danach vor Ort, denn ich musste ihnen Zimmer besorgen und ihnen vorab „Indien erklären“. Bei Mitarbeiterkonferenzen musste ich Protokoll führen und hinterher an alle weiterleiten. Die Inder sagen übrigens zu allem ‚Ja und Amen‘. Ja, wir machen das. Ja, kein Problem. Beim nächsten Treffen war dann allerdings nichts von dem geschehen, aber es hieß wieder „Ja, klar, wir machen das“.  :-)  Mein Chef meinte nach Einsicht meiner Notizen, ich müsse mich bitte gewählter ausdrücken, aber Bürokratendeutsch war mir verhasst, ich wollte  alles schnell auf den Punkt bringen und nicht um den heißen Brei reden. Wir machten da ja keine Raketenwissenschaft oder Gehirnchirurgie.

Die größte Aufgabe für mich aber waren die Reisebuchungen der Mitarbeiter, die nach Hause oder zu anderen Instituten fliegen mussten, oder für Kulturschaffende, die ins Institut eingeladen wurden. Der Chef flog ständig in Indien herum, denn er war der Direktor für ganz Südasien plus Pakistan und Bangladesh. Die Deutschlehrer flogen auf Lehrgänge nach München. Bei Ausstellungen mussten die Künstler eingeflogen werden. So war ich fast täglich in Kontakt mit dem lokalen Lufthansabüro. Das war ganz schön hektisch und ich mußte aufpassen wie ein Lux, dass ja nichts falsch gebucht wurde.  Die Goethe Leute hatten natürlich immer Extrawürste. Und bittschön bloß nicht ihre Vielfliegermeilen vergessen!

Zwischendurch kamen immer Leute in mein Büro geschneit, die was vom Chef wollten und die ich abzuwimmeln hatte. Ich weiß noch, wie einmal Ulrich Greiner vor mir saß, Literaturkriter der „Zeit“. Er hatte seinen Pass im Hotel in Agra vergessen, der Hirni, und nun sollte ich sehen, wie ich ihm aus der Patsche helfe. Ein anderes Mal sollte ich für den Schriftsteller Martin Mosebach und Frau eine passable Wohnung finden, düste von A nach Z, hatte auch etwas gefunden, bis der liebe Chef aus unerfindlichen Gründen raunzte, er würde das lieber selber machen. Idiot! Mosebach sollte einen Monat Stadtschreiber in Delhi sein, und weil er nicht am Computer schreiben konnte, musste seine Frau als Tippse auch dabei sein. Später hat er dann ein kleines Buch über seinen Indien-Aufenthalt veröffentlicht. Unmöglich. Auf Kosten der Steuerzahler reisen und dann privat daraus Profit scheffeln. Überall nur Banausen! 

Ebenso musste ich Buch über die Bar führen. Wer wieviel Alkohol zu welchen Veranstaltungen verbraucht hat, das musste ganz genau kontrolliert werden. Ha! Nur ich hatte den Schlüssel zu diesem wertvollen Schrank. Ebenfalls mussten anfallende Handwerker- oder Gartenarbeiten zugeteilt werden. Der Gärtner durfte nicht für andere Zwecke genutzt werden, da sind die Inder sehr streng, alles schön nach Berufskaste getrennt, bitte sehr. Veranstaltungen mußten organisiert, Einladungen verschickt werden, und und und. Die Welt bestand aus Goethe. 

Nach 1 Jahr hab ich das nicht mehr ausgehalten. Die Verschwendung für Hotels und Flüge einerseits, das mickrige Gehalt für mich und die Locals andererseits. Ausserdem weihte mich mein Chef in Nichts ein, ich war die Letzte, die etwas erfuhr. Einmal hat er mir in meiner Mittagspause unterstellt, ich würde die Leute, die er telefonisch erreichen musste, nicht anrufen (hatte mir die Finger nach ihnen wund telefoniert und niemanden erreicht), und dann glaubte er, ich mache Privatkram während der Arbeitszeit. Unverschämtheit. Tatsächlich arbeitete ich gerade an einer Übersetzung für das Nationale Literaturinstitut (Indien war in dem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse), denn ich wollte mir etwas dazu verdienen, doch lustigerweise konnte ich auf das Schild, das auf meinem Schreibtisch stand zeigen: „Mittagspause“. All das UND seine Arroganz hat mich dann dazu getrieben, mich eines Morgens schon um 6 Uhr ins Büro zu schleichen, alle Arbeiten zu beenden, letzte Emails zu verschicken und meine sofortige Kündigung auf seinen Tisch zu legen. Den ganzen Tag rief er mich an, schrieb Emails und bettelte, ich möge zurück kommen. Aber ich blieb stur. Sicherlich wieder ein Riesenfehler, zukunftsmäßig betrachtet, aber ich war am Ende meiner Nerven, auch durch das Leben in Delhi. Allein die Fahrt in die Stadt jeden Morgen in dem Verkehr eine Stunde lang. Es war schon die Hölle diese Stadt.

Das Buch von Herrn Mosebach: „Stadt der wilden Hunde. Nachrichten aus dem alltäglichen Indien“ (2008, Hanser Verlag) 

die deutsche Oase mitten in der Stadt

Tuesday, July 14, 2026

2002 bis 2004

 Übersetzerin und Bürokraft bei der U.S. Militärkriminalpolizei in Darmstadt

Da ich noch Familienmitglied eines Zivilisten bei der US Army war, wurde ich bei Bewerbungen in der amerikanischen Kaserne bevorzugt. Diesmal sollte es in die Cambrai-Fritsch Kaserne gehen, wo die Militärpolizei mit Abteilung C.I.D (Kripo) ihren Stützpunkt hatte. Ich kannte dort eine Frau, die schon seit Jahren bei den MPs tätig war: Dorit mit den langen grauen Haaren und den schlechten Zähnen.  Sie kam ursprünglich aus Bremerhaven, also war klar, dass wir uns gut verstehen würden. Eine kleine, dicke Chaotin war sie, deren Büro auch ganz schön müffelte. Sie war ständig mit Personallisten beschäftigt, in denen sie mit vielen bunten Filzstiften rummalte. Jeden Monat war sie mit irgend etwas zu spät dran. Wir waren damals noch oft zusammen draussen rauchen. Das machte mir meine Einarbeitungszeit jedenfalls etwas angenehmer. 

Die CID Agenten waren jungen Leute, Soldaten in Zivil, die Chefs coole Typen mit Motorrädern, bis wir dann eine eingebildete, schwarze Pute mit Silikonbrüsten bekamen. Au man. Bis dahin war der Job super, ich hatte meine eigene Schreibtischecke, war so eine Art Empfangsdame, und alle waren mir wohl gesonnen (wichtig!). Außer Akten abzulegen und sortieren und Dokumente zu übersetzen (von oder für die deutsche Kripo), musste ich Telefonate weiterleiten, die Dienstfahrzeuge warten lassen, und allerlei Dies und Jenes verrichten, hatte aber auch viel Zeit zum Schreiben persönlicher Emails. Damals ging ja die „Brieffreundschaft“ mit Rajesh in Delhi (Göttergatte Nr. 3 wurde er) gerade los. Man, haben wir hin-und hergemailt. Da wurden die Drähte heiß. Seinetwegen verließ ich diesen gut bezahlten Posten, bin von Darmstadt nach Delhi ausgewandert. Der Beginn meines finanziellen Abstiegs. 

Bei der CID war ich zwei Jahre, eine lange Zeit für mich. Ich wohnte anfangs nicht weit weg von der Kaserne, war oft in der Pause in der Turnhalle oder Bibliothek. Es war immer was los, man ist zusammen zum Heiner Fest gegangen, hat im Brausebrand mit dem Chef rumgeknutscht und solche Sachen. Angestellt war man übrigens nicht bei den Amerikanern, sondern beim deutschen „Amt für Verteidigungslasten“. Als ich schon in Delhi lebte, zahlten die Idioten mir noch 3 oder 4 Monate weiter das Gehalt, obwohl ich ihnen mitteilte, dass ich gar nicht mehr dort arbeitete.   Anyway, die Arbeit war wirklich prima, ich durfte oft zu Kriminalbeamten nach Frankfurt oder zur Darmstädter Kripo für Aktenaustausch oder zum Dolmetschen fahren, wenn die Agenten dabei waren. Es war eine lustige Truppe, bei dem Amis natürlich alles immer viel lockerer als bei einer deutschen Firma. Und ich war alleine für meinen Bereich zuständig, zum Teamplayer bin ich nicht geboren. Die Fälle waren natürlich oft traurig. Als es in den Iraqkrieg gehen sollte, begingen einige Soldaten Selbstmord. Ich durfte dann die Fotos dazu einsehen. Nee oh nee. Einmal hatte ein G.I. in Frankfurt seine schwangere Exfreundin in ihrer Wohnung mit dem Messer abgestochen. Auch gab es Vergewaltigungen an den weiblichen Soldaten, die leider noch oft von hämischen Kommentaren der Agenten begleitet wurden. Machos überall. Es gab auch eine Art militärischen Staatsanwalt, der die Fälle vor Gericht brachte. Alles in allem, sehr abwechslungsreich und eine Arbeit, zu der ich gerne ging. Aber ich Trottel musste ja nach Indien auswandern. Au weia, das ist wieder ein anderes Kapitel.

Filmtipp:  Münster „Tatort“, der mit Nadeshda als Assistentin 


Friday, July 10, 2026

der Abschluss

 
Der BACHELOR, nein nicht die Liebestrashsendung, sondern der Abschluss! Leider sind bei diesem ollen Ding noch nicht mal meine Fächer vermerkt, unverschämt. Und das Datum in Worten, das hat mir in Germany schon so manche Probleme bereitet.  Anyway, Englisch und Verhaltenswissenschaften waren die Hauptfächer.  Wat'ne  Kombo. Notendurchschnitt B = 2  (120 credit hours) Naja, besser als in die hohle Hand geschissen. Hat rund 20tausend Dollar gekostet. Göttergatte 2 hat's bezahlt, dafür hab ich ihm meine 30er Jahre geschenkt.                                                          Sponge over....
                 

2001

Ehemann Nr. 2 war ständig auf Karrieresprung, also wieder eine Atlantiküberquerung. Diesmal landeten wir in Darmstadt. Dort heuerte ich nach einer Weile wieder bei einer deutschen Facility Management Firma an:        

Ich wurde Housing Inspector.  Jawoll!  Ich mußte Wohnungen der U.S: Soldatenfamilien beim Ein-und Auszug inspizieren, also Übergabe und Abnahme machen. Natürlich alles in Listen dokumentieren (mit Microsoft access), und die Mieter über Schäden aufklären bzw. über das, was sie selbst noch in Stand setzen mußten. Auch die kleinen Studioapartments der alleinstehenden Offiziere wurden unter die Lupe genommen. Angelernt hat mich so'n alter Ami, der kurz vor der Rente war. Wir fuhren mit Firmenwagen – juhu -  von Wohnung zu Wohnung. Das hat mir schon Spaß gemacht, und nach einer Weile hatte ich den Dreh raus, was man den „Kunden“ zu sagen hatte, bzw. wie man ihnen freundlich aber bestimmt erklärte, in welchem Zustand sie die Wohnung gefälligst zu hinterlassen hatten. Man, sahen ihre Buden manchmal aus: Löcher in den Wänden, von den kids alles vollgeschmiert, verkackte Klos, mit der Faust eingeschlagene Türen, nicht mehr richtig eingehängte Fenster usw. Oha.

Unsere Firma musste regelmässig der amerikanischen Seite berichten, dem Department of Public Works (DPW – Arbeitgeber von Ehemann Nr. 2, somit viel Gesprächsstoff nach Feierabend!). Nach einem halben Jahr wurde ich Teamleiterin und hatte zwei andere Inspektoren einzuteilen. Einen Puerto Ricaner, der schon eine Weile andere "housing areas" inspiziert hatte, sowie Julie, eine Offiziersfrau (die kurze Zeit später plötzlich Krebs bekam. Oh man. Schlimm. Sie zupfte sich im Büro immer ihre Barthaare vom Kinn. Ich war damals 40, sie 50)  Und dann kam noch ein junges Mädchen dazu als Julie immer öfter krank zuhause blieb. Eigentlich eine nette Truppe. Ich musste mich auch um die ´preventive maintenance´ Termine kümmern, dann den Handwerkern Bescheid geben, wann und wo sie Dienst zu verrichten hatten, denn die Wohnungen mussten ja generell in Stand gehalten werden. Es hat mir alles Spass gemacht, nur ging in der Zeit meine 2.Ehe zu Bruch und ich hörte schliesslich schweren Herzens auf, weil die Chefsekretärin meinen Angetrauten um den Finger wickelte und gegen mich Stimmung machte. Mir ging das zu sehr an die Nieren.  Diese fake Blondine hatte immer einen Bewunderer um sich, der ihr irgendwelche Gefallen tun musste. Jeden Morgen kam sie dick geschminkt und wie aus dem Ei gepellt mit einem fake Juhu ins Büro. (Ironischerweise wurde die Sekretärin meines Abteilungschef später die Ehefrau von Ehemann Nr. 2.) So geht das.   Ja leider war nach einem Jahr wegen dieser blöden Kuh Schluss dort. Ich hab kein dickes Fell für solche Sachen. Naja die Ehe war wohl eh schon im Eimer… Und der nächste Job stand schon bereit....

Tuesday, July 7, 2026

2000


Bibliotheksassistentin, Maryland

Gleich zwei Teilzeitjobs hatte ich zu der Zeit: 

Einmal in der Baltimore County Library in Towson als Regalfüllerin (shelfer), sowie in der Bibliothek der University of Baltimore, Abteilung Sozialwissenschaften und Medizin, wo ich „shelfer“ bei den Fachzeitschriften war. Beide Jobs hab ich sehr geliebt. So simpel und doch so interessant, denn all die Dinge, die ich täglich in den Händen hatte, fand ich spannend. Jaja, mein Problem: alles interessant zu finden.... Da ich sortieren liebe – Sternzeichen Jungfrau - waren es die perfekten Jobs. In Towson musste ich zurück gebrachte Bücher wieder ins Regal stellen, sowie alle Regale immer wieder auf die korrekte Ablage nach dem ´Dewey Decimal System´ kontrollieren. Denn nichts ist schlimmer als ein falsch eingeräumtes Buch. Ausserdem hat jedes veröffentliche Werk eine zugeordnete Library of Congress Nummer, die in der Innenseite des Buches vermerkt ist, auch nach Thematik. Einmal hatte ich ein Buch in der Hand, dass die falsche Library of Congress Nummer hatte, also ich sag mal thematisch eher psychologisch war (Im DD System also bei 150 stand) aber dann eine LoC Nr im Bereich Technik hatte, was ja für den Sucher gar kein Problem ist. Aber in einer Bibliothek mit LoC System würde es dann schon unter Technik landen, nicht unter Psychologie. Hach, wie stolz ich war, diesen Fehler zu entdecken und mit der Info zur Bibliothekarin zu gehen, die sich dann darum kümmern konnte. HAHAHA, man muss die Sache schon ernst nehmen.  Ich hab das geliebt. Leider habe ich mich danach für einen Bürojob in Teilzeit entschieden, sicherlich weil es mehr Kohle dafür gab.... Eine dumme Entscheidung, wovon es reichlich in meinem Leben gab.

In der Uni Baltimore sollte ich neue Fachjournale in die entsprechenden Zeitschriftenregale einräumen, die Alten zur Buchbindungsabteilung bringen, und die gebundenen Ausgaben dann in die entsprechenden Regale stellen. Dort benutzte man allerdings nicht das Dewey Dezimalsystem, sondern sortierte nur nach dem Library of Congress Nummern+Buchstabensalat. Ich fand es wahnsinnig spannend, zu erfahren, welche Fachgebiete es gibt, und schaute mir natürlich gerne den ein oder anderen Artikel an, sobald es die Zeit erlaubte. Ich hatte eine sehr nette schwarze Vorgesetzte, Carol aus New York City, mit der ich auch viele Jahre später noch ab und an emailte.

Filmtipp : „Shelf Life“ (USA, 2005), ok ist ein B-Movie, aber viele Regale darin 

Der Bürojob, für den ich mich dann entschied, war wieder im Bereich facility management. Diesmal im Walter Reed Army Hospital in Washington, D.C., wo auch die US Präsidenten und alle Soldaten behandelt werden, und Göttergatte Nr.2 ebenfalls arbeitete. (Das war von unserem Wohnort in Nord Baltimore eine 1-stündige Autofahrt) Dort mußte ich, wie zuvor in Heidelberg, die Handwerker zu Reparaturarbeiten schicken und Infos in die Datenbank geben. Die Handwerker waren vor allem Afrikaner, die nebenbei aber noch versuchten Reinigungsfirmen selbstständig zu führen. Das Verrückte war, dass die Firma mich schon wenige Monate später entliess, weil eine andere Firma den neuen Vertrag bekam. War das ein Ärger. Wär ich bloss bei den Bibliotheken geblieben! Welcher Teufel ritt mich da nur immer? JAMMER.


Wednesday, July 1, 2026

1998-'99

1998 Nach Heidelberg findet Versetzung von Ehemann2 statt, es geht zurück in die USA , diesmal landen wir in Baltimore im Staate Maryland. Diese Umzüge... das geht auf keine Kuhhaut.. Ich mache weiter meine online Collegekurse, aber fahre auch zum tatsächlichen Campus der University of Maryland. Als ich einen Shakespeare Kurs bei einer sehr engagierten Professorin belege schauen wir uns am Ende auch das Theaterstück "Coriolanus" in D.C. an. Und da ein Mitstudent dort ein Reihenhaus hat, besuchen wir ihn alle, denn er hat das ganze Haus im Tudor Stil eingerichtet, also so wie man zu Shakespeares Zeiten in England lebte. Das nenn ich mal Fanleben! Jedem Tierchen sein Plaisierechen! 

1999 bin ich wieder ehrenamtlich unterwegs, unterrichte diesmal bei einer NGO im Knast, eh Untersuchungsgefängnis, wo die Insassen also noch auf Verurteilung warten. Währenddessen können sie zB ihren Highschool Abschluss nachholen und dazu wurde ein "Community College" beauftragt, dort zu unterrichten. Allerdings mit Ehrenamtlichen.  Inhaftierte Frauen und Männer sitzen natürlich getrennt ein. Meine Vorgesetzte war eine kleine Kenianerin, die das vielleicht schon etwas zu lange hauptberuflich betrieb. Sie hat sich oft über meinen Enthusiasmus und Idealismus lustig machte. Anfangs glaubte ich natürlich noch alles, was die Knastis mir verklickerten. Harriet, die Gute, war schon sehr abgebrüht, hatte sicher all die Knast- Stories schon 100x gehört; machmal war sie richtig übel zu den Hajopeis, fand ich. 80% waren schwarze, taffe Kerle. Puh. Diese Knastis konnten einen zutexten und gleichzeitig ausquetschen wie ne Zitrone. Ich hab versucht nicht nur Schulkram, sondern auch mit etwas einfacher Literatur in einem kleinen Lesekreis an sie ranzukommen. Da es aber ein Untersuchungsgefängnis war, tauchten die Insassen plötzlich nicht mehr auf, weil sie in ein anderes Gefängnis verlegt wurden, keinen Bock hatten, zu einer Gerichtsverhandlung mussten oder entlassen wurden. Viel kam so nicht zustande. Ich hatte dieses Ehrenamt aber extra gewählt, um mal mit einer ganz anderen Schicht konfrontiert zu werden. Bei den Frauen war es wesentlich schwieriger, denn sie waren innerlich hart geworden, mit denen war nicht gut Kirschen essen.  Naja, manche waren kaputt vom Drogengebrauch, durch Prostitution, Selbstverletzungen und dem Verlust ihrer Kinder. Das war trostlos. Mein Ehrenamtkollege war David, ein Senior, der alles von mir über Deutschland wissen wollte. Wir haben uns noch ne zeitlang Briefe geschrieben. Auch mit Harriet war ich noch lange in Kontakt.

Jahre später in Darmstadt hab ich dann eine Aktion „Bücher für Knastis“ gestartet und Buchspenden in anderen Sprachen gesammelt. Nicht lesen zu können, nee, das geht gar nicht. Es waren komischwerweise vor allem Jugos, also Serbo-Kroaten, die sich auf meinen Anzeigenaufruf gemeldet hatten. Da konnte ich dann dem Knast ein paar Kartons vorbeibringen, ohne zu wissen, was das evtl für Käselektüre war :-)

Buchtipp zum Thema: Von der Seele geschrieben - Wally Lamb und die Frauen des Hochsicherheitsgefängnis York“ (2005)

FilmtippStanely & Iris“, 1990, Robert de Niro als Analphabet, der von Jane Fonda Unterricht erhält