Übersetzerin und Bürokraft bei der U.S. Militärkriminalpolizei in Darmstadt
Da ich noch Familienmitglied eines Zivilisten bei der US Army war, wurde ich bei Bewerbungen in der amerikanischen Kaserne bevorzugt. Diesmal sollte es in die Cambrai-Fritsch Kaserne gehen, wo die Militärpolizei mit Abteilung C.I.D (Kripo) ihren Stützpunkt hatte. Ich kannte dort eine Frau, die schon seit Jahren bei den MPs tätig war: Dorit mit den langen grauen Haaren und den schlechten Zähnen. Sie kam ursprünglich aus Bremerhaven, also war klar, dass wir uns gut verstehen würden. Eine kleine, dicke Chaotin war sie, deren Büro auch ganz schön müffelte. Sie war ständig mit Personallisten beschäftigt, in denen sie mit vielen bunten Filzstiften rummalte. Jeden Monat war sie mit irgend etwas zu spät dran. Wir waren damals noch oft zusammen draussen rauchen. Das machte mir meine Einarbeitungszeit jedenfalls etwas angenehmer.Die CID Agenten waren jungen Leute, Soldaten in Zivil, die Chefs coole Typen mit Motorrädern, bis wir dann eine eingebildete, schwarze Pute mit Silikonbrüsten bekamen. Au man. Bis dahin war der Job super, ich hatte meine eigene Schreibtischecke, war so eine Art Empfangsdame, und alle waren mir wohl gesonnen (wichtig!). Außer Akten abzulegen und sortieren und Dokumente zu übersetzen (von oder für die deutsche Kripo), musste ich Telefonate weiterleiten, die Dienstfahrzeuge warten lassen, und allerlei Dies und Jenes verrichten, hatte aber auch viel Zeit zum Schreiben persönlicher Emails. Damals ging ja die „Brieffreundschaft“ mit Rajesh in Delhi (Göttergatte Nr. 3 wurde er) gerade los. Man, haben wir hin-und hergemailt. Da wurden die Drähte heiß. Seinetwegen verließ ich diesen gut bezahlten Posten, bin von Darmstadt nach Delhi ausgewandert. Der Beginn meines finanziellen Abstiegs.
Bei der CID war ich zwei Jahre, eine lange Zeit für mich. Ich wohnte anfangs nicht weit weg von der Kaserne, war oft in der Pause in der Turnhalle oder Bibliothek. Es war immer was los, man ist zusammen zum Heiner Fest gegangen, hat im Brausebrand mit dem Chef rumgeknutscht und solche Sachen. Angestellt war man übrigens nicht bei den Amerikanern, sondern beim deutschen „Amt für Verteidigungslasten“. Als ich schon in Delhi lebte, zahlten die Idioten mir noch 3 oder 4 Monate weiter das Gehalt, obwohl ich ihnen mitteilte, dass ich gar nicht mehr dort arbeitete. Anyway, die Arbeit war wirklich prima, ich durfte oft zu Kriminalbeamten nach Frankfurt oder zur Darmstädter Kripo für Aktenaustausch oder zum Dolmetschen fahren, wenn die Agenten dabei waren. Es war eine lustige Truppe, bei dem Amis natürlich alles immer viel lockerer als bei einer deutschen Firma. Und ich war alleine für meinen Bereich zuständig, zum Teamplayer bin ich nicht geboren. Die Fälle waren natürlich oft traurig. Als es in den Iraqkrieg gehen sollte, begingen einige Soldaten Selbstmord. Ich durfte dann die Fotos dazu einsehen. Nee oh nee. Einmal hatte ein G.I. in Frankfurt seine schwangere Exfreundin in ihrer Wohnung mit dem Messer abgestochen. Auch gab es Vergewaltigungen an den weiblichen Soldaten, die leider noch oft von hämischen Kommentaren der Agenten begleitet wurden. Machos überall. Es gab auch eine Art militärischen Staatsanwalt, der die Fälle vor Gericht brachte. Alles in allem, sehr abwechslungsreich und eine Arbeit, zu der ich gerne ging. Aber ich Trottel musste ja nach Indien auswandern. Au weia, das ist wieder ein anderes Kapitel.
Filmtipp: Münster „Tatort“, der mit Nadeshda als Assistentin

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