Herbst 1989 : Mit fast 27 entschloss ich mich, mein Abitur nachzuholen, um studieren zu können. In Bremen hatte ein Jahr zuvor das Kolleg der Erwachsenenschule eröffnet, an dem Arbeitslose nun - statt Abendgymnasium - tagsüber ihren Abschluss nachholen konnten. Das waren drei herrliche Schuljahre, in dem Lernen endlich Spaß machte. Und von meiner Neustädter Wohnung war es ein Katzensprung . Ich musste noch einmal Französisch belegen, konnte in der 12. und 13.Klasse Englisch und Deutsch als Hauptfach wählen. Mathematik war ne echte Herausforderung, aber diesmal hatte ich mir vorgenommen, nicht gleich dicht zu machen. Wir bekamen einen wunderbaren Lehrer, der uns auch Physik beibrachte (Werner , hier links in Aktion) , und mit dem wir auch wandern waren. Allerdings war er etwas cholerisch. Wenn wir uns keine Mühe gaben, oha, das nahm er echt persönlich, da wurde sein Gesicht schlaganfallrot. Unsere Deutschlehrerin war auch nicht gerade begeistert, weil Erwachsene nun mal keine kleinen Kinder mehr sind. Sie betitelte uns einmal mit "Meinungsstark und wissensschwach". Da mochte was dran sein. HAHAHAH. Auf jeden Fall waren wir eine tolle Truppe, hatten viel Spass und es entstanden lange Freundschaften aus der Zeit. Die Kinder waren mittlerweile in der Schule bzw im Hort, so dass alles seinen sozialistischen Gang ging. Um das Bafög, was ich in der Zeit bekam, aufzubessern, musste ich allerdings zusätzlich noch etwas malochen.
Einige der "Nebentätigkeiten" waren:
- früh morgens in der City Büros putzen: bischen Staubsaugen , Papierkörbe ausleeren, aber leider auch ab und an total verkackte Klos reinigen. Der Mensch ist eine Sau.
- an Wochenenden als Garderobenfrau in einer Bremer Kellerdisco die Nacht durchmachen ( Dauerspruch „bitte das Ticket nicht verlieren!!!!!“). Vorteil: Am Schluss noch selber abtanzen.
-Seniorenbesuche in der Hauspflege (was damals gerade erst anfing): einkaufen, abwaschen, Staubsaugen, meist bei etwas meckrigen, ollen Tanten

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