Saturday, June 20, 2026

1992

 

Gleich nach dem bestandenen Abi - mit 30! - ging es im Sommer erstmal ab in die Fabrik: Aushilfsjob als Packerin bei Hachez Chocolates in der Bremer Neustadt. 

Das waren drei Rücken-kaputtmachende Monate, aber damals noch zu Radiogedudel, mit anständigen Raucherpausen und toleranten Vorarbeiterinnen, die einen mit Namen kannten und auch mal Späßchen machten (20 Jahre später hab ich das noch mal ausprobiert und nach 6 Tagen schlapp gemacht... 2020 verließ Hachez Bremen nach fast 130 Jahren, nun müssen es die Frauen in Polen für weniger Geld tun).  Für die Weihnachtsschokolode mussten wir entweder Pralinen in die auf dem Fließband vorbeiziehenden Packungen legen, oder im Stehen an großen Tischen entsprechende Pappschachteln dafür falten. Ebenso gab es das Band zum Binden kleiner Plastiktannenzweige um Cellophantütchen. Schokolade durfte man futtern so viel man wollte, denn eins war klar: niemand konnte und wollte die Arbeiterinnen beim Naschen kontrollieren. Und zweitens war genauso klar: niemand hatte nach einer Woche Probieren noch den leisesten Appetit auf Schokolade. Klarer Fall von Sache: was man immer haben kann wird schnell öde.   Um die Zeit besser rumzukriegen, haben wir uns angestachelt, wer nach einer Stunde am meisten geschafft hat. Sonst wäre die Arbeit einfach zu stupide gewesen. Unsere Vorarbeiterinnen fanden das wunderbar, je mehr Stückzahl wir schafften, desto zufriedener die oberen Etagen. Das waren natürlich ausschließlich Herren der Schöpfung in weißen Kitteln.  Es gab am Band übrigens auch festangestellte Damen, die sich meist ziemlich wichtig vorkamen (in der Umkleide und in der Kantine); sie waren aber von uns getrennt. Ihre Stückzahlen waren bestimmt besser als unsere. Ich hab damals erst nicht begriffen, wieso diesen Käse nur Frauen machen. Angeblich ihrer Fingerfertigkeit wegen. Ha, wer's glaubt. Männer arbeiten wohl eher nicht gern für wenig Kohle... Oh well,  im Herbst begann dann endlich an der Bremer Uni mein Studium der Amerikanistik.

Filmtipp  - : „Ein Offizier und Gentleman“ – erinnert ihr euch an Paula? So wollen wir doch alle aus der Fabrikhalle getragen werden, oder? Wenn möglich natürlich von Richard Gere.

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