Gleich zwei Teilzeitjobs hatte ich zu der Zeit:
Einmal in der Baltimore County Library in Towson als Regalfüllerin (shelfer), sowie in der Bibliothek der University of Baltimore, Abteilung Sozialwissenschaften und Medizin, wo ich „shelfer“ bei den Fachzeitschriften war. Beide Jobs hab ich sehr geliebt. So simpel und doch so interessant, denn all die Dinge, die ich täglich in den Händen hatte, fand ich spannend. Jaja, mein Problem: alles interessant zu finden.... Da ich sortieren liebe – Sternzeichen Jungfrau - waren es die perfekten Jobs. In Towson musste ich zurück gebrachte Bücher wieder ins Regal stellen, sowie alle Regale immer wieder auf die korrekte Ablage nach dem ´Dewey Decimal System´ kontrollieren. Denn nichts ist schlimmer als ein falsch eingeräumtes Buch. Ausserdem hat jedes veröffentliche Werk eine zugeordnete Library of Congress Nummer, die in der Innenseite des Buches vermerkt ist, auch nach Thematik. Einmal hatte ich ein Buch in der Hand, dass die falsche Library of Congress Nummer hatte, also ich sag mal thematisch eher psychologisch war (Im DD System also bei 150 stand) aber dann eine LoC Nr im Bereich Technik hatte, was ja für den Sucher gar kein Problem ist. Aber in einer Bibliothek mit LoC System würde es dann schon unter Technik landen, nicht unter Psychologie. Hach, wie stolz ich war, diesen Fehler zu entdecken und mit der Info zur Bibliothekarin zu gehen, die sich dann darum kümmern konnte. HAHAHA, man muss die Sache schon ernst nehmen. Ich hab das geliebt. Leider habe ich mich danach für einen Bürojob in Teilzeit entschieden, sicherlich weil es mehr Kohle dafür gab.... Eine dumme Entscheidung, wovon es reichlich in meinem Leben gab.
In der Uni Baltimore sollte ich neue Fachjournale in die entsprechenden Zeitschriftenregale einräumen, die Alten zur Buchbindungsabteilung bringen, und die gebundenen Ausgaben dann in die entsprechenden Regale stellen. Dort benutzte man allerdings nicht das Dewey Dezimalsystem, sondern sortierte nur nach dem Library of Congress Nummern+Buchstabensalat. Ich fand es wahnsinnig spannend, zu erfahren, welche Fachgebiete es gibt, und schaute mir natürlich gerne den ein oder anderen Artikel an, sobald es die Zeit erlaubte. Ich hatte eine sehr nette schwarze Vorgesetzte, Carol aus New York City, mit der ich auch viele Jahre später noch ab und an emailte.
Filmtipp : „Shelf Life“ (USA, 2005), ok ist ein B-Movie, aber viele Regale darin
Der Bürojob, für den ich mich dann entschied, war wieder im Bereich facility management. Diesmal im Walter Reed Army Hospital in Washington, D.C., wo auch die US Präsidenten und alle Soldaten behandelt werden, und Göttergatte Nr.2 ebenfalls arbeitete. (Das war von unserem Wohnort in Nord Baltimore eine 1-stündige Autofahrt) Dort mußte ich, wie zuvor in Heidelberg, die Handwerker zu Reparaturarbeiten schicken und Infos in die Datenbank geben. Die Handwerker waren vor allem Afrikaner, die nebenbei aber noch versuchten Reinigungsfirmen selbstständig zu führen. Das Verrückte war, dass die Firma mich schon wenige Monate später entliess, weil eine andere Firma den neuen Vertrag bekam. War das ein Ärger. Wär ich bloss bei den Bibliotheken geblieben! Welcher Teufel ritt mich da nur immer? JAMMER.

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